GEGEN STANDORTNATIONALISMUS UND EIGENTUMSCHAUVINISMUS

Mittwoch, 16.September, 20 Uhr, Infoladen Bremen, St.-Pauli-Straße 10-12, 28203 Bremen, Vortrag mit Barbara Eder (konkret, nd, jW)

Die Nation umgraben

Grund geben: „Boden frei!“

Wer Deutsche:r oder Österreicher:in sein will, braucht mehr als einen Pass. Die Nation bindet Zugehörigkeit an Herkunft und Abstammung, aber auch an Boden, Wohnsitz und Eigentum. Was aber geschieht mit denen, die nichts davon besitzen (wollen) – nichts als ihre Arbeitskraft?

Arme und Erwerbslose sind nicht Teil der hegemonialen Konzeption des Schutzpanzerkonstrukts „Nation“. Dieser Vortrag unternimmt eine Reise in ihre frühen „Kolonien“ – Orte innerhalb eines Staatsgebiets, an welchen die herrschende Ordnung umgegraben wurde: Im Wien der späten 1920er Jahre besetzten rund 300 Arbeitslose brachliegende Flächen im Nordosten der Stadt, ihre Forderung: „Boden frei!“. Die Lobau-Kolonie wurde zu einer Art „inneres Ausland“ – von Staat und Stadt behandelt wie nicht von dieser Welt: Wie auf Plantagen sollten die Kolonist:innen Pachtgrund der Gemeinde Wien urbar machen, um anschließend von dort vertrieben zu werden.

Die inneren Kolonien der „Nation“ stehen im Zentrum dieses Vortrags, der sich gegen alle Einheiten, nicht nur die deutschen und polizeilichen, richtet. Man kann ihn aber auch als Anleitung zur „Maulwurfsarbeit“ lesen: Denn wer den Boden umgräbt, auf dem die Nation ihre Eigentumsordnung errichtet, untergräbt womöglich mehr als nur ein Stück Erde.