Gestern, am 25. Juli, ist es in Berlin zu einem Anschlag auf den CSD gekommen. Eine Person wurde getötet, mehrere wurden verletzt.
Wir sind entsetzt und schockiert. Unsere Gedanken sind bei den Überlebenden und allen, die täglich von queerfeindlicher Gewalt betroffen sind. Und wir sind unendlich wütend auf diejenigen, die diese Gewalt ausüben, rechtfertigen und begründen – ob religiös, nationalistisch oder anderweitig queerfeindlich motiviert.
Die Polizei Berlin hält den Mörder für einen Islamisten. Islamisten sind, wie alle religiösen Rechten, Feinde der befreiten Gesellschaft. Warum gibt es Armut und Elend? Warum sind die Welt und mein Leben so, wie sie sind? Religion hat auf diese Fragen nur falsche Antworten: Sie erkennt Gesellschaft und unser aller Leben nicht als menschengemacht, sondern behauptet eine „höhere Macht“ als Ursache und Zweck für alles. Islamismus wird so zu einer möglichen Antwort auf die Enttäuschungen an der kapitalistischen Moderne. Seine Besonderheit besteht in der massenmörderischen Konsequenz, mit der er sein politisches Programm durchzusetzen versucht.
Queerfeindlichkeit, Sexismus, Rassismus und Antisemitismus sind hierzulande Alltag. Große Teile der Bevölkerung erklären sich mit ihnen nicht nur ihr eigenes Leben, sondern richten sie auch gewaltsam gegen andere. Der Berliner CSD erscheint dagegen – in all seiner inneren Widersprüchlichkeit – wie der Anspruch auf eine andere, bessere Welt. In dem Anspruch, einfach „sein zu können“ – als Individuum, als Mensch –, liegt die unerträgliche Provokation für alle religiösen Menschenfeinde, egal ob islamistisch, evangelikal oder sonst wie.
Keine Überraschung sind daher die Reaktionen der rechten Medien: Die Krokodilstränen antimuslimischer Rassist:innen verbinden sich mit Abschiebefantasien. In den Kommentarspalten tobt der queerfeindliche Mob über das gestrige „Sodom und Gomorra“ in Berlin. Von einer Welt, „in der alle ohne Angst verschieden sein können“, ist diese Gesellschaft weiter entfernt denn je.
Gegen die Kulturalisierung des Islamismus setzen wir die Kritik der Religion, gegen die Vorstellung einer deutschen Wertegemeinschaft die Kritik der Nation. Gegen eine Welt, die Fans von Umma und Volksgemeinschaft hervorbringt – gegen jede Queerfeindlichkeit!
