10. Dezember, Ziegenmarkt: No Nation! – No Europe! – No Capitalism!

Dezember 1, 2012 Kommentare deaktiviert für 10. Dezember, Ziegenmarkt: No Nation! – No Europe! – No Capitalism!
10. Dezember, Ziegenmarkt: No Nation! – No Europe! – No Capitalism!

Auf­ruf des Ba­sis­grup­pe An­ti­fa­schis­mus zur De­mons­tra­ti­on gegen die Frie­dens­no­bel­preis­ver­lei­hung an die EU.

Am 10.​12.​2012 wird der Eu­ro­päi­schen Union der Frie­dens­no­bel­preis ver­lie­hen. Alle Men­schen, die sich damit mal kri­tisch aus­ein­an­der­ge­setzt haben, was die EU so den lie­ben lan­gen Tag über macht, wer­den wohl als ers­tes mit dem Kopf ge­schüt­telt haben. Doch bei ge­naue­rer Be­trach­tung, wer die­sen Preis ver­gibt und was für Leute ihn teil­wei­se schon er­hal­ten haben, wun­dert das dann aber wahr­schein­lich nie­man­den mehr. Die EU hat mit Frie­den nichts zu tun und steht einem ech­ten Ende der Ge­walt sogar im Weg. Genau wie Na­tio­nal­staa­ten ist sie nicht Teil der Lö­sung, son­dern Teil des Pro­blems.

Fight Ca­pi­ta­list War – Fight Ca­pi­ta­list Peace!
Die EU als staats­ähn­li­ches Ge­bil­de sorgt vor allem dafür, dass Men­schen ster­ben oder unter den be­schis­sens­ten Um­stän­den über­le­ben müs­sen. Re­gel­mä­ßig ver­senkt Fron­tex, die eu­ro­päi­sche Grenz­schutz­agen­tur, Boote mit Ge­flüch­te­ten im Mit­tel­meer. Krie­ge z.B. auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent bzw. die durch sie ent­stan­de­nen Le­bens­be­din­gun­gen in den dor­ti­gen post-​ko­lo­nia­len Re­gimes sind die Ur­sa­chen dafür, dass Men­schen mas­sen­haft flüch­ten müs­sen um ein halb­wegs si­che­res Leben im rei­chen Eu­ro­pa füh­ren zu kön­nen. Die EU sorgt durch die Er­rich­tung und Un­ter­stüt­zung von La­ger­sys­te­men und hoch­ge­rüs­te­ten Sa­tel­li­ten­staa­ten um sie herum aber dafür, dass dies den meis­ten nicht ge­lingt. Die We­ni­gen die es den­noch hier her schaf­fen, sind stän­dig von ras­sis­ti­schen Ge­set­zen, den sie aus­füh­ren­den Bul­len und der Angst vor Ab­schie­bun­gen be­droht. Von der Ge­fahr die von Nazis und den sel­ber Hand an­le­gen­den “armen, über­for­der­ten Bür­gern” aus­geht, ganz zu schwei­gen.
Aber auch gegen die ei­ge­ne Be­völ­ke­rung führt die EU Krieg. Unter der zu­neh­men­den wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Do­mi­nanz der BRD, wer­den immer neue, bru­ta­le­re Spar­pa­ke­te im Kampf gegen die Sol­venz­kri­se der wirt­schaft­lich schwä­che­ren Staa­ten der EU ver­hängt. Hel­fen tun sie, ent­ge­gen den of­fi­zi­el­len Ver­laut­ba­run­gen, den von der Krise be­trof­fe­nen Men­schen al­ler­dings nicht – im Ge­gen­teil, sie sor­gen dafür, dass diese zu­neh­mend unter das Exis­tenz­mi­ni­mum ge­drückt wer­den. Auf­stän­de da­ge­gen wer­den von staat­li­cher Seite blu­tig nie­der­ge­schla­gen, wie es sich zu­letzt am 14. No­vem­ber, beim eu­ro­päi­schen Ge­ne­ral­streik, zeig­te.
So ist es nur kon­se­quent, dass für die EU die “Ent­wick­lung von Frie­den und Ver­söh­nung, De­mo­kra­tie und Men­schen­rech­ten”¹ vor allem be­deu­tet, die Rüs­tungs­in­dus­trie wei­ter zu för­dern und neue Me­tho­den re­pres­si­ver In­nen­po­li­tik zu ent­wi­ckeln.

Gegen die Ver­wer­tung durch das Ka­pi­tal…
Die Ur­sa­che für die­ses Han­deln der EU ist nicht in der be­son­de­ren Bos­haf­tig­keit von Po­li­ti­ker*innen und an­de­rem Staats­per­so­nal zu fin­den son­dern in der ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­fasst­heit die­ser Ge­sell­schaft. Die Staa­ten der EU sind wie alle Staa­ten vor allem daran in­ter­es­siert, auf dem Welt­markt be­son­ders gute Pro­fit­be­din­gun­gen für die ei­ge­ne ka­pi­ta­lis­ti­sche Wirt­schaft zu fin­den bzw. zu schaf­fen. So funk­tio­niert die EU auch als eine Art “Boll­werk” gegen die Kon­kur­ren­ten USA und China. Im Zuge der glo­ba­len Wirt­schafts­kri­se haben sich die Pro­fit­mög­lich­kei­ten für die mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­den Stand­or­te nebst Öko­no­mi­en aber ver­schlech­tert und in Folge die glo­ba­le Stand­ort­kon­kur­renz sich ver­schärft. Um in die­ser sich jetzt zu­spit­zen­den Kon­kur­renz gut da zu ste­hen un­ter­neh­men die Staa­ten mög­lichst alles dafür. So wird in Folge der So­zi­al­staat ab­ge­baut, in Zu­sam­men­ar­beit mit den staats­na­hen Ge­werk­schaf­ten die Löhne ge­senkt und der in­nen­po­li­ti­sche Druck auf die, die auf Lohnar­beit als Ein­kom­mens­quel­le an­ge­wie­se­nen sind, er­höht. Bei­spiel­haft für die Ver­bes­se­rung der na­tio­na­len Wett­be­werbs­fä­hig­kit steht das sog. Hartz IV, das mit sei­ner re­pres­si­ven Sank­ti­ons­pra­xis und den zum Leben zu ge­rin­gen Sät­zen das Lohn­ni­veau in den letz­ten Jah­ren immer wei­ter ge­drückt hat. Die Folge sind stei­gen­de Ge­win­ne der deut­schen Un­ter­neh­men und des deut­schen Staa­tes und zu­neh­men­des Elend der Lohnar­bei­ten­den so­wohl in Deutsch­land, als auch in Grie­chen­land, Spa­ni­en und an­ders­wo.
Be­glei­tet wird all dies von ideo­lo­gi­schen Ge­plär­re auf allen Ka­nä­len und Sen­dern: Staat und Na­ti­on wer­den zum Ga­rant kol­lek­ti­ven Han­delns ver­klärt und wer nicht mit­hal­ten kann oder will, wird aus­ge­grenzt. Ge­währ­leis­tet wer­den soll dies durch na­tio­na­lis­ti­sche Stim­mungs­ma­che: Wenn es schon mit der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung nicht klappt, dann doch we­nigs­tens mit der des na­tio­na­len Kol­lek­tivs. Um auch mal zu den Ge­win­ner*innen zu ge­hö­ren bzw. die all­ge­mei­ne Be­schis­sen­heit we­nigs­tens für sich etwas ab­zu­mil­dern, schnal­len die Bür­ger*innen gerne auch mal den Gür­tel etwas enger – zu­min­dest für eine Weile. Die Na­ti­on stif­tet Iden­ti­tät und über­deckt so die Ver­ein­zelung und Ohn­macht der In­di­vi­du­en. Der Na­tio­na­lis­mus sorgt so für die stän­di­ge Un­ter­tei­lung von Men­schen in die, die da­zu­ge­hö­ren und die, die es eben nicht tun. Diese Un­ter­tei­lung geht nicht ge­ra­de sel­ten mit Ge­walt gegen die letz­te­ren, durch die ers­te­ren oder den Staat, ein­her. Be­grün­det wird dies mit Her­kunft, Kul­tur, Men­ta­li­tät und ähn­li­chen Hirn­ge­spins­ten und ver­ne­belt so den Blick auf die so­zia­le Wirk­lich­keit. Die Na­ti­on ist der bru­ta­le Kleb­stoff der ka­pi­ta­lis­ti­schen Klas­sen­ge­sell­schaft. Ka­pi­ta­lis­mus, das ist der per­ma­nen­te Krieg nach Innen und Außen.

…der Kampf um Be­frei­ung ist an­ti­na­tio­nal!
Eine Na­ti­on Eu­ro­pa oder ein Eu­ro­pa der Na­tio­nen sind ge­nau­so zu be­kämp­fen wie schein­ba­re Kri­sen­lö­sun­gen zu Guns­ten der Stär­kung der „ei­ge­nen“ na­tio­na­len Sou­ve­rä­ni­tät, wie es auch gerne von ei­ni­gen – sich als links Ver­ste­hen­den – be­müht wird. Ein gutes Leben für alle ist mit Staat, Na­ti­on und Ka­pi­tal nicht zu haben. Das ver­meint­lich “po­si­ti­ve Ver­spre­chen” der Na­ti­on sorgt nicht für Eman­zi­pa­ti­on, son­dern stellt die Un­ter­wer­fung ge­gen­über der ka­pi­ta­lis­ti­scher Ver­wer­tung und staat­li­chen Zu­rich­tung da. Des­we­gen ist es not­wen­dig, so­wohl die herr­schen­de Ord­nung von Staat, Na­ti­on und Ka­pi­tal, als auch re­ak­tio­nä­re Be­stre­bun­gen gegen (bzw. real für diese) zu be­kämp­fen. Dies geht al­ler­dings nicht da­durch, wie auch ei­ni­ge ver­meint­li­che Frie­dens­freund*innen aus Bre­men mei­nen, die Nähe zu is­la­mis­ti­schen oder fa­schis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen wie Millî Görüş oder der MHP zu su­chen, nur weil diese als „Opfer“ wahr­ge­nom­men wer­den.

An­ti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Wi­der­stand darf nicht an Staats­gren­zen halt ma­chen, son­dern muss diese durch­bre­chen und die staat­li­che Gän­ge­lung von Men­schen, sei es durch Fron­tex, Mi­li­tär, Job­cen­ter oder Aus­län­der­be­hör­de an­grei­fen und sa­bo­tie­ren. Die EU wird nie­mals Frie­den oder ein gutes Leben für alle Men­schen brin­gen. Dies kann nur die prak­ti­sche Ver­net­zung der an­ti­na­tio­na­len und an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Wi­der­stands­be­we­gun­gen in Athen, Mad­rid, Rom und dem Rest der Welt leis­ten. Nur der Auf­bau ei­ge­ner, nicht-​staat­li­cher Struk­tu­ren und Netz­wer­ke, kann zur not­wen­di­gen so­zia­len Re­vo­lu­ti­on und dann in Folge zur kon­kre­ten Er­fül­lung der Be­dürf­nis­se aller Men­schen füh­ren.

Es wird Zeit, die Mau­ern der Fes­tung Eu­ro­pa ein­zu­rei­ßen und den an­ti­na­tio­na­len Wi­der­stand zu or­ga­ni­sie­ren!
Für den Kom­mu­nis­mus!

¹Men­schen­rech­te sind im Üb­ri­gen nichts Po­si­ti­ves. Sie be­deu­ten nichts wei­ter als die Ein­for­de­rung ge­wis­ser Min­dest­stan­dards in den mör­de­ri­schen ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­sen. Das zu ihrer Durch­set­zung und Ge­währ­leis­tung der Staat not­wen­dig ist, be­deu­tet dabei, auch noch „den Bock zum Gärt­ner zu ma­chen“. Nötig da­ge­gen ist eine Ge­sell­schaft, in der es kei­ner Men­schen­rech­te be­darf!

De­mons­tra­ti­on: Mon­tag, 10. De­zember 2012, 17.​00 Uhr, Zie­gen­markt in Bre­men.