Die Uni muss brennen: O-Woche 2011

August 6, 2011 Kommentare deaktiviert für Die Uni muss brennen: O-Woche 2011
Die Uni muss brennen: O-Woche 2011

Im Oktober beginnt erneut das Wintersemester an der Uni und wir kommen trotzdem. Im Rahmen der von LiSA organisierten kritischen Orientierungswoche bieten wir drei Veranstaltungen an:

Dienstag, 18.10.2011, 11 Uhr
Veranstaltung zur Nationalismus Kritik
Treffpunkt: In der Glashalle vorm CouchCafé

Nationalismus ist eine schlimme Sache; da sind sich viele Linke einig. Entsprechend stören sie sich an den Horden von fahnenschwenkenden Deutschland-Fans bei der Fußball-WM oder den staatlich verordneten Einheitsfeierlichkeiten. Aber jenseits solcher Events mit der Extra-Portion Nationalgefühl haben die Leute, die da feiern, ihre Selbstverordnung als Deutsche_r schon lange vorher vorgenommen. Unabhängig davon, wie stolz sie auf ihr Deutsch-Sein sind, erscheint ihnen letzteres als (fast) natürliche Tatsache: Nationale Identität. Was dieses Nation-Sein eigentlich ausmachen soll, ist dabei herzlich unklar (mal „Rasse“, mal Kultur oder Sprache). Das wird in den entsprechenden Bereichen des Wissenschaftsbetriebes auch gar nicht geleugnet. Ebenso wird zugestanden, dass es sich dabei um eine ziemlich moderne Erfindung handelt und noch keine Nation ohne tatkräftiges „nation building“ entstanden ist. Das alles tut der Bedeutung der „Schicksalsgemeinschaft“ Nation keinen Abbruch. Überall auf der Welt wachen Staaten eifersüchtig über das richtige Nationalgefühl ihrer Bevölkerung. Schließlich stellen immer mal wieder Menschen fest, dass ihre Nation gar nicht zum passenden Staat gehört und entwickeln dagegen mitunter ziemlich blutige Aktivitäten (Befreiungsnationalismus). Teile der Linke entdecken daran lauter Fortschrittliches und beziehen sich dabei auf ein „Selbstbestimmungsrecht der Völker“. Genug Gründe für uns, das Verhältnis von Staat, Nation und Volk noch einmal zum Thema zu machen

Mittwoch, 19.10.2011, 11 Uhr
Veranstaltung zur Kritik der Konsumkritik
Treffpunkt: In der Glashalle vorm CouchCafé

Kritik an der Art, wie produziert wird, gibt es eine Menge. ZB. daran, dass in Sweatshops zu miserablen Bedingungen Turnschuhe in Trikont-Ländern hergestellt werden, die man hier zum Spottpreis kauft. Tier und Umwelt wird auch übel mitgespielt, nur damit „wir“ konsumieren können. Um das zu ändern, empfehlen allerlei Kampagnen dem Konsumenten bewusstes Einkaufen. Er solle nur für Dinge bezahlen, die unter guten Bedingungen produziert wurden. Das Problem daran ist kein Mangel an guter Absicht. Sondern: Vieles Kritikable wird durch die Hintertür für gut befunden. So wird sich positiv auf die Konkurrenz der Unternehmen bezogen, wenn die „schlechten“ zugunsten der „guten“ abgestraft werden. Im Lohn wird nur dann ein Ausbeutungsverhältnis gesehen, wenn er niedriger als niedrig ist. Und die Umweltnutzung durchs Kapital ist kein Problem, wenn nicht mehr als üblich zerstört wird. Außerdem wird suggeriert, dass die Konsumentin in der Masse über die Produktionsbedingungen entscheiden könne. Warum man mit einer konsequenten Kritik an Armut und Umweltzerstörung nicht bei einer Konsumkritik-Kampagne, sondern bei einer Kapitalkritik rauskommt, wollen wir auf dieser Veranstaltung diskutieren. Eine Veranstaltung über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Konsum- und Kapitalismuskritik für Menschen mit oder ohne Vorwissen.

Donnerstag, 20.10.2011, 14 Uhr
Veranstaltung zum Thema Integration und Ausgrenzung
Treffpunkt: In der Glashalle vorm CouchCafé

„Die Integration ist gescheitert“ heißt es der Tage immer häufiger in Politik und Medien. Parallelgesellschaften hätten sich gebildet, die Politik hätte es verfehlt die ausländischen Mitbürger in die deutsche Kultur einzugliedern und Sozialchauvinist_innen attestieren die Integrationsunwilligkeit von Migrant_innen. Aber ist das Projekt Integration wirklich gescheitert oder wird es momentan einfach genauso wenig benötigt wie diejenigen, die es zu integrieren gilt? Als Maßstab für den guten Migranten taugt der Begriff der Integration alle Male noch. Hat sie/er einen Job, spricht fließend Deutsch, zahlt Steuern, hält sich an Gesetze und geht Einkaufen, dann gilt eine Migrant_in generell als integriert und kann sogar in die Talkrunde mit Thilo Sarrazin gesteckt werden, um diesem ein lebendiges Beispiel für die Fehlerhaftigkeit seiner Thesen vorzuführen. Integration erscheint dabei als eine Art Projektionsfläche, die von einem Geschenk bis hin zu einer Erwartungshaltung reicht.