Es geht ein Gespenst um in der radikalen Linken – und das auch nicht erst seit gestern. Die radikale Linke ist geprägt von einem faktischen Jugendwahn, Strukturen mit mehreren Treffen in der Woche, ergänzt um Aktionen, Abendveranstaltungen und Wochendworkshops sind keine Seltenheit. Wer da mithalten will, nicht nur passiv „mal“ Termine wahrnehmen möchte, Teil von Entscheidungsstrukuren sein und die, nicht nur manchmal obskuren, Winkelzüge linksradikaler Praxis und Theoriedebatten nachvollziehen möchte, muss nicht nur ein gehöriges Maß an Energie und Begeisterung mitbringen, sondern vor allem auch viel Zeit.
Zeit, die ganz schnell und trotz aller Begeisterung nicht mehr da ist. Ausschlusskriterien finden sich zu hauf und, biografisch betrachtet, auch immer schneller dank verkürzter Schul- und Unizeiten, Niedriglohn und immer höherer Taktung der Arbeitszeit. Ist Schule oder Uni vorbei, beginnt mensch eine Ausbildung, geht sie*er einer Lohnarbeit nach oder sind sogar Kinder da, ist es rasch vorbei mit der Zeit. Nicht zu vergessen bei alledem, bei aller Kritik an Biologismen, werden mit fortschreitenden Alter auch die eigenen Kräfte geringer, die Zeit die mensch zum eigenen Ausruhen braucht immer länger.

„Ich will Teil einer Jugendbewegung sein“
Das ist zum Kotzen, sowohl für die plötzlich „zu alten“ als auch für die, die es (noch) nicht sind: Für die „Alten“ bleibt in den meisten Fällen (unbeachtet von einzelnen Ausnahmen in denen es gelungen ist, entweder durch das Aufbringen ungeheurer eigener Kräfte oder Bildung von eigenen Mikrostrukturen dies zu umgehen) nur das Rausfallen aus der radikalen oder das Engagement in Strukturen der sozialdemokratischen oder autoritären Linken. Letzteren gelingt die Integration der „Älteren“ nämlich schon immer – vermittelt über formalistische und autoritäre (Vereins-)Strukturen. Für die Jüngeren bleibt die verbleibende eigene Zeit zu nutzen, unmittelbar getrennt von den Erfahrungen und dem Wissen der „Älteren“, bis es irgendwann auch für sie „zu spät“ ist (der Berliner Verfassungsschutz beziffert übrigens das durchschnittliche „Ausstiegsalter“ mit 28 Jahren).

„Wir sind die junge Garde des Proletariats“
Dass es so nicht weiter geht ist eindeutig. Wir haben darauf auch keine endgültige Antwort, schlagen aber folgendes vor: Wir, als eine Gruppe von subjektiv (noch) nicht „Alten“ rufen hiermit als ersten Schritt zur Bildung eines monatlichen Treffen der red, black goldies auf. Nicht nur um zu versuchen, einen Ort der Ansprechbarkeit und des Austausches zu schaffen, eine Brücke zwischen “Älteren” und “Jüngeren” zu schlagen sondern auch, um das Problem sichtbar zu machen.
Der erste Sonntag im Monat um 16 Uhr, nachdem mensch ausgeschlafen hat und die Kinder versorgt sind, aber immer noch früh genug für den „Tatort“, könnte ein mögliches Datum sein.

Also, soll­tet ihr euch von die­sem Auf­ruf nicht nur an­ge­spro­chen füh­len, son­dern auch Lust haben an solch einem Tref­fen teil­zu­neh­men, wür­den wir uns freu­en wenn ihr euch unter un­se­rer Email-​Adres­se kontakt@​basisgruppe-​an­ti­fa.​org bei uns mel­den wür­det. Wir wür­den dann ver­su­chen solch ein Tref­fen zu ar­ran­gie­ren.
Wir freu­en uns schon auf euch!