Heute, am Safe Abortion Day, wird daran erinnert, dass Selbstbestimmung über Schwangerschaft in einer patriarchalen und kapitalistischen Ordnung alles andere als gesichert ist. In Deutschland bleiben Abtreibungen strafbar – selbst wenn sie oft nicht verfolgt werden. Doch die Rechtslage erzählt nur die halbe Geschichte: Wer in ländlichen Regionen lebt, stößt vielerorts auf fast unüberwindbare Hürden – von fehlenden Praxen über lange Wege bis zu Stigmatisierung.

Diese prekäre Lage verschärft sich im Schatten des gesellschaftlichen Rechtsrucks. Konservative, christliche Fundis, Manosphere-Influencer und Nazis bilden eine ideologische Front in einem Kulturkampf, in dem Antifeminismus zentral ist. Ihre Angriffe auf feministische Errungenschaften sind kein Randphänomen, sondern Teil einer rechten Bewegung, die die Reproduktion der Gesellschaft wieder stärker patriarchaler und nationaler Kontrolle unterwerfen will. Die Aufmärsche der Anti-Choice-Bewegung am letzten Wochenende in Berlin und Köln zeigen: Der Kampf um reproduktive Rechte ist untrennbar ein Kampf gegen Rechts.

Auf den Staat können wir uns dabei nicht verlassen. In der kapitalistischen Gesellschaft soll er die Reproduktion neuer Arbeitskräfte sicherstellen. Dafür beansprucht er Einfluss auf die Körper von Frauen, Queers und allen, die schwanger werden können – mit bevölkerungspolitischen Maßnahmen und Arbeitsmarktinteressen, die festlegen, wer als „künftige Arbeitskraft“ gilt. Wer reproduktive Selbstbestimmung nur als privates Recht versteht, verkennt diese strukturelle Dimension: Patriarchale und staatliche Kontrolle bleiben Teil kapitalistischer Ordnung.

Darum fordern wir nicht nur Straffreiheit, sondern die ersatzlose Streichung des § 218. Reproduktion im Kapitalismus wird als unbezahlte, abgewertete Sorgearbeit vorausgesetzt und zugleich von Staat und Markt reguliert. Nötig ist ein kollektiver, solidarischer Umgang mit Schwangerschaft und Fürsorge – flächendeckend, sicher, selbstbestimmt.

Reproduktive Freiheit bedeutet, sich patriarchaler und staatlicher Kontrolle entschieden entgegenzustellen – auf der Straße und in den Köpfen.