{"id":2403,"date":"2013-12-06T10:07:11","date_gmt":"2013-12-06T09:07:11","guid":{"rendered":"http:\/\/basisgruppe-antifa.org\/wp\/?p=2403"},"modified":"2013-12-08T13:44:05","modified_gmt":"2013-12-08T12:44:05","slug":"24-januarwien-kein-burgfrieden-dem-normalzustand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/basisgruppe-antifa.org\/wp\/2013\/12\/06\/24-januarwien-kein-burgfrieden-dem-normalzustand\/","title":{"rendered":"24. Januar,Wien: Kein Burgfrieden dem Normalzustand"},"content":{"rendered":"<h2><strong>WKR? WTF!<br \/>\nDas Treffen der europ\u00e4ischen Rechten unm\u00f6glich machen. Kein Burgfrieden dem Normalzustand<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Wir sind gekommen, um zu st\u00f6ren<\/strong><br \/>\nWenn am 24. Januar 2014 mit dem Wiener Korporations-, neuerdings Akademikerball, der gef\u00fchlte Geburtstag Kurt Waldheims und J\u00f6rg Haiders begangen wird, ist das nicht die harmlose Bergdeutschen-Variante des K\u00f6lner Karnevals, sondern das Schaulaufen der rechten Eliten \u00d6sterreichs und Europas. Hier treffen Chauvinist*innen und Nationalist*innen aller Couleur zusammen: Korporationsstudenten und Politikerinnen, Professorinnen und Manager, Anw\u00e4lte und Unternehmerinnen. Angemeldet von der Freiheitlichen Partei \u00d6stereichs (FP\u00d6) unterstreicht das fr\u00f6hliche Gesellschaftsspiel in den imperialen Kulissen der Hofburg den Anspruch auf F\u00fchrung und Gefolgschaft \u2013 zu Walzer und Polonaise, im Wichs und in R\u00fcschen. Die von der Mensur entstellten Gesichter lassen erahnen, was der Restgesellschaft bl\u00fcht, wenn die feschen Herren und Damen an Einfluss gewinnen. Nazis und Champagner? Gr\u00fcnde en masse, nach Wien zu fahren und die Party zu crashen!<\/p>\n<p><strong>Die falsche Antwort auf die falschen Verh\u00e4ltnisse<\/strong><br \/>\nWas sich auf dem WKR-Ball, organisiert von den Burschenschaften des Wiener Korporationsrings, zusammenrottet ist die falsche Antwort auf die falschen Verh\u00e4ltnisse. Die falschen Verh\u00e4ltnisse, das sind die kapitalistischen. In der gegenw\u00e4rtigen Krise bedeutet das: schlechtere Lebensbedingungen und allt\u00e4gliche Not f\u00fcr viele, nicht nur in Griechenland. Die falsche Antwort lautet: Nationale Einpeitschung und h\u00f6here Z\u00e4une, versch\u00e4rfter Wettbewerb und verschlechterte Arbeitsbedingungen, unverbl\u00fcmter Rassismus und immer nur noch mehr Gewalt, auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Doch die selbsternannten rechten Eliten, die den Ball besuchen, sind mit ihren Ideen nicht allein. Applaus erhalten sie von Menschen, die sich angesichts der Krise statt f\u00fcr Solidarit\u00e4t f\u00fcr die Politik der harten Hand entscheiden. In Zeiten von Angst und Verunsicherung sehnen sie sich nach F\u00fchrung und der scheinbaren \u00dcbersichtlichkeit der Nationalstaaten, bescheidene Nestw\u00e4rme inklusive. Angesichts des weltweiten Konkurrenzdrucks finden sie sich als Arbeitnehmer*innen bereitwillig mit den Arbeitgeber*innen ihres Landes in der \u00bbobjektiven Schicksalsgemeinschaft\u00ab ein, die im Kampf mit anderen Nationen zu bestehen hat oder untergeht. F\u00fcr den Standort und ein kleines St\u00fcck vom Kuchen schnallen sie den G\u00fcrtel enger und bestehen auf Leistungswahn und nationaler Zugeh\u00f6rigkeit. Als besonders fanatische Wohlstandschauvinist*innen erweisen sich dabei oft die bereits Abgeh\u00e4ngten, die nur auf die gn\u00e4dige Eingliederung in die Gemeinschaft hoffen k\u00f6nnen.<br \/>\nNationalistisch sind nicht nur die Stammtischparolen, der Taumel beim L\u00e4nderspiel, die Heimatliebe der Burschenschaftler oder der Fackelmarsch der Wutb\u00fcrger*innen vorm \u00f6rtlichen Asylbewerberheim. Sie sind vielmehr die augenf\u00e4lligen und besonders widerw\u00e4rtigen Zutaten eines umfassenden \u00bbnationalen Projekts\u00ab. Je nach politischer Gro\u00dfwetterlage hat dieses unterschiedliche Konjunkturen und Regierungen, mal christlich-konservativ, mal sozialdemokratisch. Ausgeliefert bleibt es jedoch stets auf Gedeih und Verderb der unverst\u00e4ndlichen und chaotischen \u00d6konomie, deren Folgen es daher auf politischer Ebene einzuhegen und zu managen gilt. In der gegenw\u00e4rtigen Krise erscheint vielen dabei offener Rassismus und Chauvismus als eine erfolgversprechende Option, um als nationale Leistungs- und Leidensgemeinschaft den St\u00fcrmen des Weltmarktes zu trotzen. Entlang von nationalstaatlichen und ethnisierten Grenzen wird entschieden, wer mitspielen darf und wie. Nach Au\u00dfen legitimiert sich so eine m\u00f6rderische Abschottung und nach Innen die gnadenlose Hierarchisierung und Disziplinierung. Falsch ist diese Antwort, weil sie die Krise des Kapitalismus nicht l\u00f6sen kann \u2013 und dabei \u00fcber Leichen geht.<\/p>\n<p><strong>Pack schl\u00e4gt sich, Pack vertr\u00e4gt sich<\/strong><br \/>\nDas irrige Versprechen einer nationalen L\u00f6sung der globalen Krise findet mehr und mehr Anh\u00e4nger*innen: Der sogenannte Rechtspopulismus r\u00fcckt derzeit politisch vom Rand in die Mitte. In Frankreich sehen Umfragen den extrem rechten Front National als st\u00e4rkste Kraft. In \u00d6sterreich hat j\u00fcngst ein Drittel der W\u00e4hler*innen Slogans wie \u00bbLiebe deine N\u00e4chsten \u2013 f\u00fcr mich sind das unsere \u00d6sterreicher\u00ab (FP\u00d6) ihre Stimme gegeben. Und selbst in Deutschland, wo die CDU bislang noch immer den rechten Rand zu integrieren wusste, konnte sich die \u00bbAlternative f\u00fcr Deutschland\u00ab erfolgreich positionieren, wenn sie auch den Sprung in den Bundestag verfehlt hat. F\u00fcr die 2014 im Mai anstehenden Europawahlen mit ihren traditionell geringen Wahlbeteiligungen steht ein rechter Erdrutschsieg durchaus zu bef\u00fcrchten. Und auf dem WKR-Ball im Januar treffen sich schon mal alle: In der Vergangenheit forderten sich hier Marine Le Pen (Front National aus Frankreich), Filip Dewinter (Vlaams Belang aus Belgien) oder Markus Beisicht (ProDeutschland) zum Tanz auf. Der Spitzenkandidat der FP\u00d6, Heinz-Christian Strache, ist sowieso vor Ort, denn die Wiener Landesgruppe der FP\u00d6 meldet den Ball erneut an. Scheinbar paradox bereitet sich die nationale Erhebung so auf internationalem Parkett vor. Zwar ist der \u00f6sterreichische Patriotismus des Parteiobmanns Strache mit dem deutsch-v\u00f6lkischen Ansinnen vieler Burschenschaften nur bedingt vereinbar, und auch ansonsten d\u00fcrften sich die politischen Gemeinsamkeiten zwischen den unterschiedlichen Nationalist*innen in Grenzen halten. Doch der WKR-Ball f\u00fchrt ein tragf\u00e4higes Arrangement vor, in dem neoliberale Standortpatrioten, v\u00f6lkische Freaks und Konservative aus ganz Europa sich ein Stelldichein geben. Wenn sie sich auch den Rest des Jahres im Namen der eigenen Nation untereinander befehden, so sind sich doch alle Teilnehmer*innen grunds\u00e4tzlich dar\u00fcber einig, dass es einer Hackordnung unter den Menschen und den V\u00f6lkern bedarf, mit den Kulturv\u00f6lkern Kontinentaleuropas an deren Spitze. Geht es am Ballabend vorgeblich gar nicht um Politik, ist das f\u00fcr die Teilnehmer*innen nur konsequent. Die feierliche Versicherung \u00bbabendl\u00e4ndischer\u00ab Identit\u00e4t und Leitkultur ist f\u00fcr sie nichts Politisches, sondern etwas Vorpolitisches: Volk, Nation und Kultur sind ihnen keine geschichtlich entstandenen und von Menschen gemachten Gebilde, sondern von Natur oder Gott gegeben. Das Abfeiern der gemeinsamen abendl\u00e4ndischen Identit\u00e4t hindert sie selbstredend nicht daran, durchaus handfeste politische Verabredungen anzubahnen, darunter die Bildung einer extrem rechten Fraktion im Europaparlament 2014. Der Bezug auf eine gemeinsame abendl\u00e4ndische Kultur ist auch der Grund, warum der \u00dcbergang vom rechtskonservativem Abendland-und-Anstand-Gefasel zum Blut-und-Boden-Geraune an diesem Abend flie\u00dfend ist, mit den studentischen Verbindungen und Burschenschaften als dessen Mittler. Der Ball f\u00fchrt dabei vor, wie rechte Parteien ihr Personal aus dem neonazistischen Milieu rekrutieren und es damit umgekehrt hoff\u00e4hig machen. Dass Heinz-Christian Strache, der Nachfolger Haiders, selbst enge Kontakte in dieses Lager pflegte, ist da eine Information, die bei den G\u00e4sten der Hofburg wohl nur auf freundliche Indifferenz sto\u00dfen d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><strong>Die Opfer des kapitalistischen Normalvollzugs<\/strong><br \/>\nWie immer ist das Problem hausgemacht. Die neue St\u00e4rke der extremen Rechten in Europa ist auch ein Ergebnis der derzeitigen Krise und illustriert zugleich das Elend aller b\u00fcrgerlichen Politik. L\u00e4ngst hat die Krise auch die Lebenswelten \u00d6sterreichs und Deutschlands erreicht und das neoliberale Gl\u00fccksversprechen auf Teilhabe durch mehr Leistung und Wettbewerb demoliert. Erneut setzten daher in den letzten Jahren gro\u00dfe Teile der (nicht nur b\u00fcrgerlichen) Linken auf Sozialstaatsnostalgie und Regulationsillusionen und erhofften deren Durchsetzung auf europ\u00e4ischer Ebene. Genau das Gegenteil ist eingetreten: Indem die Regierungen der reichen EU-L\u00e4nder, darunter Deutschland und \u00d6sterreich, viel Geld in die Hand nahmen, konnten sie die eigenen Wirtschaften vor\u00fcbergehend vor dem Zusammenbruch bewahren. Zugleich setzten sie im S\u00fcden Europas einen brutalen Sparkurs durch, den sie zusammen mit den jeweiligen nationalen Oberschichten organisieren. Ein geeintes Europa bleibt jedoch f\u00fcr die exportstarken Nationen wie Deutschland und \u00d6sterreich die Voraussetzung des eigenen wirtschaftlichen Wohlergehens. Da die Wettbewerbslogik des Kapitalismus den einzelnen L\u00e4ndern nur wenig Spielraum l\u00e4sst, sind die Politiker*innen aller Staaten und politischen Lager im Kampf um Anh\u00e4ngerschaft gezwungen, mittels nationaler Stimmungsmache und Ressentiments die eigene staatliche Handlungsf\u00e4higkeit unter Beweis zu stellen. Die Folge ist ein widerspr\u00fcchlicher Mix aus Erm\u00e4chtigungsphantasien und Sachzwangargumenten, aus Nationalismen und Europatriotismus, der seit l\u00e4ngerem die \u00f6ffentlichen Debatten in Europa beherrscht. Es ist dieses Hintergrundrauschen des Nationalen, vor dem der populistische Angriff von Rechts auf \u00fcber ein F\u00fcnfel aller W\u00e4hler*innenstimmen bei der Europawahl im Mai 2014 hoffen darf. Die von den rechten Parteien propagierte R\u00fcckkehr zum fr\u00fcheren Zustand der europ\u00e4ischen Staaten mit ihren einstigen nationalen W\u00e4hrungen, einem Europa der Restauration, ist f\u00fcr viele W\u00e4hler*innen zu einer erw\u00e4genswerten politischen Option geworden, auch wenn sie die Ohnmacht angesichts eines unbeherrschbaren globalen Kapitalismus nicht wird aufheben k\u00f6nnen. Dass sich die Bewohner*innen der europ\u00e4ischen Nationalstaaten in ihrer Klassenzugeh\u00f6rigkeit begegnen und so vielleicht ein gemeinsames, Grenzen \u00fcberschreitendes, gar antikapitalistisches Interesse entdecken, wird allerdings unwahrscheinlicher, umso lauter die nationalen T\u00f6ne werden.<br \/>\nW\u00e4hrend die meisten, vor allem hiesigen W\u00e4hler*innen, im Wesentlichen eine ideelle Befriedigung aus dem \u00bbdeutschsprechenden Europa\u00ab ziehen d\u00fcrften, profitieren vorrangig Parteien wie die FP\u00d6, die Alternative f\u00fcr Deutschland oder der Front National von der Verunsicherung. Das Gesch\u00e4ft mit der Angst l\u00e4uft blendend, und so treiben sie das Projekt einer hierarchischen und entsolidarisierten Gesellschaft voran, innerhalb wie au\u00dferhalb der Parlamente. Indem sie den Mittelschichtsspie\u00dfer zur Essenz von Volk und Nation verkl\u00e4ren, gleichzeitig aber den Untergang des Abendlandes an die Wand malen, bringen sie sich erfolgreich als aggressive Verteidiger der wei\u00df-europ\u00e4ischen Mehrheitsgesellschaft in Stellung, als authentische Bewahrer von Nation, Familie und westlicher Leitkultur. Da sie die Krise des Kapitalismus nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen, verschieben sie das Problem auf den Nationen- und Kulturkampf. Nicht zuf\u00e4llig machen sie \u00fcberall Feinde der m\u00e4nnlich \u00bbabendl\u00e4ndischen Lebensweise\u00ab aus, von der \u00bbEmanze\u00ab bis zum \u00bbIslam\u00ab, die angeblich die Leistungskraft der westlichen Gesellschaften untergraben. Ihr Programm ist das einer autorit\u00e4r organisierten, kulturell zwangshomogenisierten Gesellschaft. Mehr noch, in den abgehalfterten Regimen von einst entdecken sie politische Gestaltungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr das 21. Jahrhundert. Es sind diese sehr gegenw\u00e4rtigen Konjunkturen reaktion\u00e4rer Politikvorstellungen, die die Teilnehmer*innen auf dem WKR-Ball in den Kost\u00fcmen von vorgestern ein Glanz-und-Gloria-Spektakel auff\u00fchren l\u00e4sst. Die Werte einer l\u00e4ngst untergegangenen und daher umso heroischer schillernden Epoche \u2013 H\u00e4rte, Ehre, Stehverm\u00f6gen \u2013 sind ihnen alles, das gemeinsame gute Leben jedoch nichts. So zerschlagen sich die Korporierten untereinander mit den Gesichtern zugleich die Individualit\u00e4t. Und da die christlichen Werte, die sie im Munde f\u00fchren, sp\u00e4testens im Wienerwald enden, ger\u00e4t ihnen noch jeder Tote im Mittelmeer zur Best\u00e4tigung der eigenen Durchsetzungskraft und Herrlichkeit.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4nnlichkeit as usual<\/strong><br \/>\nDie selbsternannten rechten Eliten, die sich auf dem WKR-Ball abfeiern, haben kein Problem damit, dass der Kapitalismus f\u00fcr den \u00fcberwiegenden Teil der Menschen die H\u00f6lle auf Erden ist. Im Gegenteil: Sie sind die erbarmungslosen Kolleginnen und Vorgesetzten, die neoliberalen Einpeitscher und knallharten Rationalisiererinnen. Doch auch Herrenmenschen wollen ab und an einmal als ganze Menschen anerkannt werden. Dazu halten sich die \u00bbFeschisten\u00ab ans Bew\u00e4hrte: die b\u00fcrgerliche Kleinfamilie. Liebe, Tr\u00e4nen, Wut und was da noch bei den Herren an Sentiments ist, verbleibt im abgezirkelten Kreis der Liebsten. Sie verschanzen sich in der gesellschaftsabgewandten Gemeinschaftlichkeit romantischer Zweierbeziehungen, wo sie Erholung vom kapitalistischen Rattenrennen finden. Was unter den Bedingungen best\u00e4ndig zunehmenden Leistungs- und Optimierungsdrucks oftmals der letzte noch lebenswerte Zufluchtsort ist, bietet ihnen vor allem die M\u00f6glichkeit, den im t\u00e4glichen Kampf l\u00e4dierten K\u00f6rperpanzer wiederherzustellen, um dann im Alltag \u2013 business as usal \u2013 nur noch h\u00e4rter zuzulangen. Diese jeden Tag aufs Neue gelebte Teilung der Welt in \u00d6ffentlich und Privat folgt dabei, wen wunderts, weiter den traditionellen Geschlechterrollen. Sie als naturgegeben darzustellen wird \u2013 ironisch genug \u2013 selbst zum politischen Projekt der extrem Rechten. Kein Wunder, dass die FP\u00d6 offen den Schulterschluss mit Vaterrechtlern und \u00bbMaskulinisten\u00ab sucht. F\u00fcr die WKR-Ball-Besucher sind Frauen daher trotz Galanterie und T\u00fcraufhalten keine eigenst\u00e4ndigen Subjekte, sondern zuallererst Unterst\u00fctzungsanh\u00e4ngsel und Verf\u00fcgungsmasse der M\u00e4nner. Wenn es nicht gerade darum geht, jene zusammen mit anderen M\u00e4nnern wahlweise gegen \u00bbden Islam\u00ab oder \u00bbden Feminismus\u00ab zu verteidigen, dann darum, ihnen den gesellschaftlichen, sprich: den h\u00e4uslichen Platz zuzuweisen und sie aus Representationsgr\u00fcnden ab und an im Ballkleid und zu Wiener Walzer durch einen Festsaal zu schieben. Dass der WKR-Ball dieses \u00fcberkommene Verh\u00e4ltnis von M\u00e4nnern und Frauen als glamour\u00f6ses und nachahmenswertes Modell ausstellt, macht ihn auch auf dieser Ebene zu einer ideologischen Angelegenheit. Auch deswegen, weil gerade die Zurschaustellung des Heteroidylls erahnen l\u00e4sst, dass die dynamisierten Geschlechterordnungen im neoliberalen Kapitalismus l\u00e4ngst das konservative und rechte Milieu erfasst haben. Wenn auch die gewaltf\u00f6rmige Durchsetzung der rechten Familienideologie systematisch und ganz real zu Lasten der gro\u00dfen Mehrheit der Frauen geht, an der Verkl\u00e4rung der Geschlechterverh\u00e4ltnisse sind sie im rechten Milieu meist ganz gleichberechtigt beteiligt. Das Abfeiern von traditionellen Rollenbildern und die Hetze gegen alles Abweichende ist dort mitnichten exklusiv \u00bbm\u00e4nnlichen Charakters\u00ab, wie nicht nur die dem Wiener Korporationsring nahestehende Wiener akademische M\u00e4delschaft \u00bbFreya\u00ab zeigt. Auf Mensur immerhin wird verzichtet, um die h\u00fcbschen Gesichter zu schonen, doch hinter der unversehrten Fassade herrscht die gleiche tr\u00fcbe Grausamkeit.<\/p>\n<p><strong>Die unheimliche R\u00fcckkehr des kleinen Gl\u00fccks<\/strong><br \/>\nDie so einfallslos wie leidenschaftlich betriebene Einrichtung des eigenen Lebens in der Kleinfamilie ist kein Privileg einer obskuren und r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Minderheit. Vielmehr scheint in der gegenw\u00e4rtigen Krise der gesch\u00fctzte Innenraum der Paarbeziehung vielen zunehmend als einzig m\u00f6glicher Verwirklichungsraum individuellen Gl\u00fccks. An die Stelle sozialliberaler Autonomievorstellungen und neoliberaler Selbstverwirklichungsphantasien tritt seit ein paar Jahren, kaum sind deren materiellen Grundlagen in der Krise auch bei den Besserverdienenden in Westeuropa bedroht, erneut der gesch\u00fctzte famili\u00e4re Innenraum \u2013 auch wenn der von au\u00dfen eher an einen Panic Room erinnert. Die Erwerbsarbeit von Frauen hat sich in den letzten zwanzig Jahren zwar ausgeweitet. \u00d6konomische Gleichheit und soziale Anerkennung hat sich f\u00fcr den \u00fcberwiegenden Teil der Frauen gleichwohl nicht eingestellt. W\u00e4hrend die unmittelbaren staatlichen Krisenbew\u00e4ltigungsma\u00dfnahmen von der Bankenentschuldung bis zur Abwrackpr\u00e4mie vor allem m\u00e4nnlich-dominierte Wirtschaftsbereiche stabilisiert haben, ist Vollzeitbesch\u00e4ftigung von Frauen r\u00fcckl\u00e4ufig. Ein betr\u00e4chtlicher Teil der weiblicher Lohnarbeit findet in deregulierten und prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen statt. Der Abbau und der Ausverkauf sozialstaatlicher Einrichtungen versch\u00e4rft die doppelte Ausbeutung der Frau durch geringer bezahlte Lohn- und unbezahlte Sorgearbeit. Aus der noch vor Kurzem herbeigeschriebenen \u00bbKrise der (Ern\u00e4hrer-)M\u00e4nnlichkeit\u00ab ist andererseits der so b\u00e4rtige wie zupackende Hipstermann \u2013 flankiert von \u00bbM\u00e4nnerrechlern\u00ab auf der rechten und dem \u00bbNeuen Mann\u00ab auf der linken Seite \u2013 ziemlich unversehrt hervorgegangen. So kann das alte gesellschaftliche Leitbild zum Neuen avancieren.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrgerlichkeit als Privileg<\/strong><br \/>\nBei der Aufrechterhaltung der Geschlechterordnung geht es immer auch um die Sicherung von verschr\u00e4nkten Geschlechts- und Klassenprivilegien. Ihnen gilt die famili\u00e4re Mobilmachung. Denn auch die b\u00fcrgerliche Kleinfamilie hat ihren Preis, will sagen, man muss sie sich erstmal leisten k\u00f6nnen, wenn beide arbeiten wollen bzw. immer h\u00e4ufiger m\u00fcssen. Meist geschieht das auf Kosten anderer, etwa den Millionen von weiblichen Putz- und Pflegekr\u00e4ften aus Osteuropa und Asien, deren Elend ebensowenig wie die eigenen Privilegien in der Selbsterz\u00e4hlung der Konservativen einen Platz hat. Das Bekenntnis zur B\u00fcrgerlichkeit ger\u00e4t so vor allem zur Rechtfertigung des jetzigen Zustands, an dem auch der Staat ein Interesse hat \u2013 anstatt etwa die private Reproduktionsarbeit zusammen mit der Gesellschaftlichen radikal umzuverteilen. Verwunderlich ist all das in Zeiten des permanenten Geredes \u00fcber die Krise nicht, auch nicht angesichts der materiellen Vorz\u00fcge, die eine wei\u00dfe Mittelschichtsfamilienexistenz so mit sich bringt. Frappierend ist aber die breite und selbstverst\u00e4ndliche Akzeptanz ihrer ideologischen Rechtfertigung. Selbst wenn sich die Familienidyllen der alten wie der neuen B\u00fcrgerlichkeit mitunter schnell in einen patriarchalen Albtraum verwandeln \u2013 nicht nur im Berliner Prenzlauer Berg steigen die Scheidungszahlen und sind die Frauenh\u00e4user voll \u2013, kann das der allgegenw\u00e4rtigen Sehnsucht nach Privatheit und family value, die von der extremen Rechten bis zu den Alternativos alle eint, offenbar nichts anhaben. Begleitet vom Trommelfeuer der Kulturindustrie wird das Leitbild des Neobiedermeier erfolgreich in Lebenswelt und Alltagsverstand verankert und greift l\u00e4ngst auch auf abweichende Lebensweisen und Beziehungsmodelle \u00fcber. Es kittet so die Br\u00fcche und Widerspr\u00fcche der realen Existenzbedingungen (nicht nur) in krisenhaften Zeiten. Dass Faschisten meist nicht die Gr\u00fcnen w\u00e4hlen, und die \u00d6kos selten die FP\u00d6, ist bei der sie einenden Logik von harmonischem Innen und bedrohlichem Au\u00dfen keine Nebensache, zeigt aber deutlich, wie weit sich der gesellschaftliche Konsens im politischen wie im privaten Bereich zugunsten von konservativ-repressiven und autorit\u00e4r-rechtspopulistischen Ordnungsvorstellungen verschoben hat. \u2013 H\u00f6chste Zeit, eben diesen eine deutliche Absage zu erteilen.<\/p>\n<p><strong>Nichts Reaktion\u00e4res f\u00e4llt, wenn es nicht gesto\u00dfen wird<\/strong><br \/>\nAm Freitag, den 24. Januar 2014 feiern und verbr\u00fcdern sich in der Wiener Hofburg unter dem selbstverliehenen Ehrentitel \u00bbgesellschaftlicher Leistungstr\u00e4ger\u00ab diejenigen, deren soziales Prestige und \u00f6konomischer Reichtum auf Ausgrenzung und Unterdr\u00fcckung, auf Chauvinismus, Rassismus und Sexismus gr\u00fcndet. Sie sehen sich als Elite und rechte Avantgarde \u00d6sterreichs und Europas. Ehrverletzungen tragen sie untereinander noch immer am Liebsten mit der Waffe aus und s\u00e4hen gern die ganze Gesellschaft unter ihrer Knute. Als L\u00f6sung der gegenw\u00e4rtigen Krise haben sie vor allem parat: Zusammenr\u00fccken, den engen G\u00fcrtel, die harte Hand und die weitere Spaltung der Gesellschaft in oben und unten. Der WKR-Ball ist daher der perfekte Anlass, den reaktion\u00e4ren Krisenl\u00f6sungen ein Beinchen zu stellen und den sauberen Herren und Damen wie den feschen Burschen und Madeln den Spa\u00df zu verderben.<br \/>\nWir sagen: WKR? WTF! Erteilen wir \u2013 gemeinsam und \u00fcber alle Grenzen hinweg \u2013 auf den Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen Wiens, rechten Ideologien und ihren politischen und kulturellen Vertreter*innen eine klare Absage. Der WKR-Ball ist nicht einfach nur Ausdruck einer unappetitlichen Gesinnung und Kultur, sondern Teil einer reaktion\u00e4ren, rechten Offensive angesichts der Krise. Das Gerede der rechten Eliten von Nation, Werten, Abendland, Alternativlosigkeit und Tradition verdeckt, dass es bessere Formen des gesellschaftlichen Lebens gibt. Um die lohnt es sich in der derzeitigen Krise zu k\u00e4mpfen. Gewinnen und verteidigen kann man sie allerdings nur gegen Nation und Patriachat, Staat und Kapital. Der Kampf gegen die Reaktion ist daher immer auch der Kampf um das gute Leben f\u00fcr alle: Der solidarischen und freien Organisation unseres Zusammenlebens, jenseits von Ausgrenzung durch Klassengrenzen und Rassismus, jenseits von Zurichtung und Disziplinierung durch Geschlechterordnung und Sozialchauvinismus, jenseits der Zumutungen und Verwertungszw\u00e4nge des Kapitalismus.<\/p>\n<p><strong>Ob Leistung, Abendland, Nation, Volk, Familie oder sonst ein Unsinn \u2013 spuckt den neuen und alten Rechten am 24. Januar 2014 ins Glas. Die letzte (und beste!) Party feiern wir. Die einzige Krisenl\u00f6sung hei\u00dft Kommunismus.<\/strong><\/p>\n<p>Demonstration: 24. Januar 2014, 17 h, Landstra\u00dfe, Wien Mitte.<br \/>\nAntinationaler Workshoptag: 25. Januar 2014, 12 h.<\/p>\n<p>Busse fahren u. a. aus Berlin, Bremen, Frankfurt, G\u00f6ttingen, K\u00f6ln und Leipzig.<br \/>\nAlle Infos auf nowkr.at und umsganze.org<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/umsganze.org\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/umsGanze-WKR-Aufruf-2014.pdf\">Den Aufruf als PDF<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" id=\"doc_6257\" src=\"\/\/www.scribd.com\/embeds\/189822127\/content?start_page=1&amp;view_mode=scroll&amp;access_key=key-bn198b7nbd29kgvswat&amp;show_recommendations=false\" height=\"600\" width=\"100%\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" data-auto-height=\"false\" data-aspect-ratio=\"1\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WKR? WTF! Das Treffen der europ\u00e4ischen Rechten unm\u00f6glich machen. Kein Burgfrieden dem Normalzustand Wir sind gekommen, um zu st\u00f6ren Wenn am 24. 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