{"id":71,"date":"2010-01-17T10:01:45","date_gmt":"2010-01-17T09:01:45","guid":{"rendered":"http:\/\/ba.blogsport.de\/texte\/wer-von-auschwitz-nicht-reden-will-soll-von-dresden-schweigen\/"},"modified":"2013-03-22T09:37:38","modified_gmt":"2013-03-22T07:37:38","slug":"wer-von-auschwitz-nicht-reden-will-soll-von-dresden-schweigen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/basisgruppe-antifa.org\/wp\/texte\/wer-von-auschwitz-nicht-reden-will-soll-von-dresden-schweigen\/","title":{"rendered":"Wer von Auschwitz nicht reden will, soll von Dresden schweigen! (2010)"},"content":{"rendered":"<p>Dresden, Februar 2010: Die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten j\u00e4hrt sich zum 65. Mal. Seit einem guten Jahrzehnt marschieren Faschist_innen zu diesem Anlass in der Stadt auf. Inzwischen ist das j\u00e4hrlichen \u201eGedenken\u201c einer der gr\u00f6\u00dften Aufm\u00e4rsche in Europa: Letztes Jahr \u201egedachten\u201c \u00fcber 7000 den deutschen Toten.<\/p>\n<p>Dresden ist mehr als nur ein traditionelles Stelldichein der Rechten. Das \u201eGedenken\u201c ist ein Schnittpunkt von b\u00fcrgerlichem Geschichtsrevisionismus, in dem auch Deutschland unter \u201eHitlers Opfer\u201c eingeordnet wird, und faschistischer Ehrerbietung der Gefallenen an der Heimatfront. Die Umschreibung deutscher Geschichte vom Land der T\u00e4ter_innen zum deutschen Opferkollektiv ist das verbindende Element, was Jahr f\u00fcr Jahr ein rechtsoffenes B\u00fcrgertum mit erkl\u00e4rten Nazis zusammenbringt.<br \/>\nEs stabilisiert einen Opfermythos, der sowohl T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr Nazis in die b\u00fcrgerliche Mehrheit, wie auch Legitimation deutscher Gro\u00dfmachtsphantasien im europ\u00e4ischen Kontext ist. In Dresden geht es nicht um die Trauer von Einzelnen an Einzelnen, sondern um die Inszenierung eines Trauerspektakels, durch das die deutsche Geschichte so zurechtgedacht wird, dass sie Teil des nachkriegsdeutschen Nationalmythos werden kann.<\/p>\n<p>B\u00fcrgerliche \u201aAufarbeitung\u2018 funktioniert auch in eine andere Richtung: Die institutionalisierte Gedenkpolitik (zum Beispiel in Form von Holocaustmahnmal, Gedenkstunden im Bundestag) funktioniert als Rekonstruktion der deutschen Geschichte \u2013 als Inszenierung der BRD als \u201egel\u00e4uterte Nation\u201c. Die aufrechten Demokrat_innen haben sich ein neues Selbstbewusstsein erarbeitet und d\u00fcrfen nun wieder als global player in Sachen Krieg und Ausbeutung mitmachen. Zum Umgang mit der NS-Vergangenheit geh\u00f6rt nicht nur die vermeintliche Lehre aus der<br \/>\nT\u00e4ter_innenschuld, sondern auch die Hervorhebung deutscher \u201eOpfer\u201c wie der toten Deutschen in Dresden, die aus dem Kontext von Holocaust und Vernichtungskrieg herausgel\u00f6st werden und damit eine Rehabilitierung erfahren. Die Geschichte der Opfer wird zugunsten der T\u00e4terInnen verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Nazis und B\u00fcrger_innen geh\u00f6ren deswegen eigentlich beide bek\u00e4mpft. Wir wollen nicht der militante Arm der Zivilgesellschaft gegen ihre eigenen<br \/>\nekeligen Ausw\u00fcchse sein. Wir wollen auch nicht mit ihr als homogene Masse durch die Bek\u00e4mpfung des \u201eExtremismus\u201c das deutsche Selbstbewusstsein legitimieren. In Dresden aber sind wir auf Grund des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses zur Zeit weit davon entfernt diesen Anspruch erfolgreich einl\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Eine radikale Linke, die nicht selbstsuggestiv diesem bedauerlichen Befund ignorieren will, kommt nicht herum diesen zur Kenntnis zu nehmen und aus ihm Schl\u00fcsse f\u00fcr die eigene Praxis zu ziehen. In Dresden haben wir uns deshalb entschlossen gegen die Nazis auf die Stra\u00dfe zu gehen um die zivilgesellschaftliche Basisbanalit\u00e4ten gegen diese zu verteidigen. Diese sind letztendlich mit auch Mindeststandards f\u00fcr linksradikale Politik.<\/p>\n<p>Mit dieser Kritik konfrontieren wir die b\u00fcrgerlichen Nazigegner_innen. Auch darum beteiligen wir uns an den Gegenaktivit\u00e4ten gegen den<br \/>\nNaziaufmarsch, die dem b\u00fcrgerlich-faschistischen Geschichtsrevisionismus den Schnittpunkt b\u00fcrgerlichen und linksradikalen Engagements gegen Nationalismus entgegen stellen. Dies ist der richtige Ort f\u00fcr linksradikale Intervention, f\u00fcr Kritik, die Konsequenzen hat.<\/p>\n<p>Wer von Auschwitz nicht reden will, soll von Dresden schweigen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dresden, Februar 2010: Die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten j\u00e4hrt sich zum 65. Mal. Seit einem guten Jahrzehnt marschieren Faschist_innen zu diesem Anlass in der Stadt auf. 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