{"id":3448,"date":"2016-06-08T22:50:57","date_gmt":"2016-06-08T20:50:57","guid":{"rendered":"http:\/\/basisgruppe-antifa.org\/wp\/?page_id=3448"},"modified":"2018-04-27T11:24:34","modified_gmt":"2018-04-27T09:24:34","slug":"eine-perspektive-auf-materialistischen-feminismus-2016","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/basisgruppe-antifa.org\/wp\/eine-perspektive-auf-materialistischen-feminismus-2016\/","title":{"rendered":"Eine Perspektive auf materialistischen Feminismus. (2016)"},"content":{"rendered":"<p><em>Ver\u00f6ffentlicht in <a href=\"http:\/\/magazin.umsganze.org\">mole &#8211; &#8230;ums Ganze! Magazin<strong> #3<\/strong> <\/a><\/em><\/p>\n<h2><strong>Eine Perspektive auf materialistischen Feminismus.<\/strong><\/h2>\n<p><em>Die Basisgruppe Antifaschismus aus Bremen legt in diesem einf\u00fchrenden Text knapp dar, was materialistischer Feminismus f\u00fcr sie bedeutet. Als Analysemethode der Gesellschaft ist dieser das vielleicht wichtigste Instrument unseres politischen Handelns, welches die immer noch akute Unterdr\u00fcckung der Frau* aufzudecken wei\u00df.<\/em><\/p>\n<blockquote><p>\u00bbEs ist eindeutig, dass der Kapitalismus zur \u00dcberausbeutung der Frauen gef\u00fchrt hat. Das w\u00e4re wenig tr\u00f6stlich, wenn es nur vermehrtes Elend und vermehrte Unterdr\u00fcckung bedeutet h\u00e4tte, doch gl\u00fccklicherweise hat es auch zu Wider- stand gef\u00fchrt. Und dem Kapitalismus ist bewusst geworden, dass dieser Widerstand, wenn er ihn vollst\u00e4ndig ignoriert oder unterdr\u00fcckt, zunehmend radikaler werden k\u00f6nnte, um schlie\u00dflich zu einer Bewegung f\u00fcr Selbstst\u00e4ndigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit, vielleicht sogar zum Keim einer neuen Gesellschaftsordnung zu werden\u00ab (Robert Biel, The New Imperalism, 2000).<\/p><\/blockquote>\n<p>Materialistischer Feminismus hat den Anspruch die gesellschaftlichen Begebenheiten theoretisch, sowie eine praktische emanzipatorische Perspektive der Verh\u00e4ltnisse in den Blick zu nehmen. Konkret hei\u00dft das, dass der materialistische Feminismus eine Methode zur Analyse von Gesellschaft bzw. Herrschaftsverh\u00e4ltnissen ist, welche auf einer \u00f6konomischen Ebene die Verbindung zwischen Patriarchat und kapitalistischer Ausbeutung aufdeckt.<\/p>\n<p>Historisch betrachtet war die proletarische Frauenbewegung bem\u00fcht, den komplexen Zusammenhang von Patriarchat und Kapitalismus zu erfassen (in Deutschland war die zentrale Figur Clara Zetkin 1857-1933). Innerhalb dieser Bewegung gab es noch keine wirklichen Bestrebungen die Emanzipation der Frauen* von dem sogenannten Hauptwiderspruch, also der kapitalistischen Ausbeutung des Arbeiters, zu trennen. Die Versuche und das Bestreben nach feministischer Theoriebildung wurden von der kommunistischen Bewegung aufgeschoben, indem sie auf das Einl\u00f6sen nach der proletarischen Revolution verwies. Festzustellen ist dabei, dass das Patriarchat als Herrschaftsform verstanden, aber die Bek\u00e4mpfung dessen, dem Klassenkampf untergeordnet wurde. Sozialistische Feministinnen wie Helke Sander im Sozialistischen Deutschen Stundenbund SDS in der BRD oder innerhalb der autonomen Frauen*bewegung in Italien \u00e4u\u00dferten Kritik an marxistischen Theorien und problematisierten, dass die Frage der Unterdr\u00fcckung von Frauen* oft als ideologisches Problem dargestellt wurde. Demnach scheint die Frauenunterdr\u00fcckung ein \u00dcberbleibsel kapitalistischer Gesellschaft zu sein und \u00e4u\u00dfert sich vor allem in der Familie. Das Patriarchat erschien so nur als falsches Bewusstsein ohne ihm entsprechende gesellschaftliche und materielle Strukturen. Da zeitgleich der Klassenkampf f\u00e4lschlicherweise nur als eine Erscheinung der Produktionssph\u00e4re gedeutet wurde, erschien das Geschlechterverh\u00e4ltnis so nur als \u00bbNebenwiderspruch\u00ab. Das hatte zur Folge, dass die \u00f6konomische oder auch materielle Seite des Geschlechterverh\u00e4ltnisses in linken Theorien nicht systematisch mitgedacht wurde.<\/p>\n<p>Dass das nicht so bleiben soll, dachten sich aktuelle feministische Theoretiker*innen wie z.B. Silvia Federici, Frigga Haug, Tove Soiland und viele mehr, und haben ihren Feminismus mit einer materialistischen Analyse verbunden. Dabei wird von einem patriarchalen Verh\u00e4ltnis ausgegangen, um die geschlechtsspezifischen Herrschafts- sowie Dominanzverh\u00e4ltnisse analysieren zu k\u00f6nnen. Demnach basiert das Patriarchat auf geschlechtlicher Teilung der Reproduktion und Produktion. Diese Teilung wurde gesellschaftlich hergestellt. Zu der Trennung Reproduktion und Produktion sind jeweils stereotypische Geschlechtscharaktere zugeordnet, die jeweils als Frau* oder Mann* sortiert werden. Die Geschlechtscharaktere verlangen bestimmte Eigenschaften und verweisen auf eine bestimmte Sph\u00e4rentrennung hin, wie z.B. Frauen seien emotional, passiv und irrational, w\u00e4hrend M\u00e4nner aktiv, stark und rational w\u00e4ren. Somit sind Frauen* nach dieser Logik wie gemacht f\u00fcr Reproduktionsarbeiten. Zudem beinhaltet diese Festlegung der Geschlechtscharaktere f\u00fcr Frauen* die Aufgabe f\u00fcr den Staat Kinder zu geb\u00e4ren. Die Debatten um Bev\u00f6lkerungspolitiken verdeutlichen, dass Frauen* fast ausschlie\u00dflich M\u00fctter seien, und somit ihren Beitrag zum Erhalt dieser Gesellschaft leisten sollen.<\/p>\n<p>Die Trennung von Reproduktions- und Produktionsarbeit hat zwar in den vergangenen Jahren eine gesellschaftliche Ver\u00e4nderung erfahren. Trotzdem sind es immer noch Frauen*, die ma\u00dfgeblich f\u00fcr Haus- und Erziehungsarbeiten zust\u00e4ndig, als auch in entlohnter Reproduktionsarbeit pr\u00e4sent sind. Letzteres jedoch in deutlichen geringeren Lohnverh\u00e4ltnissen. Die in der BRD seit den 1970ern erk\u00e4mpfte Integration von Frauen*\u00a0in den Arbeitsmarkt stellt zwar die Vorstellung eines m\u00e4nnlichen \u00bbErn\u00e4hrers\u00ab in Frage, faktisch sind Frauen* den M\u00e4nnern* aber immer noch strukturell \u00f6konomisch unterstellt und so im realen Familien- und Ehemodell von ihnen abh\u00e4ngig. Historisch betrachtet unterlag die konkrete Ausgestaltung der Kapitalakkumulation und der mit ihr zusammenh\u00e4ngenden geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung immer Ver\u00e4nderungen. In der Zeit des Fordismus wurden Frauen* (konkret gemeint sind hier alle, die sich mit M\u00e4nnern in einem ehe\u00e4hnlichen Verh\u00e4ltnis befanden) indirekt vom m\u00e4nnlichen Ern\u00e4hrerlohn mitfinanziert. Zumindest galt dies f\u00fcr in b\u00fcrgerlichen Kleinfamilien und heterosexuellen Zweierbeziehungen lebende Frauen. Frauen* leisteten gleichzeitig schon immer vor allem prek\u00e4re Lohnarbeiten. Dieses Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis gestaltete und gestaltet sich nicht nur als rein \u00f6konomisches, sondern auch als ein ideologisch-verinnerlichtes. Es lud die Verantwortung f\u00fcr das Funktionieren dieser Beziehungen auf den Schultern der Frauen* ab und belastet(e) sie doppelt. Die folgenden Ver\u00e4nderungen hingegen bedeuten, dass im Globalen Westen immer mehr Frauen* Lohnarbeiten gehen m\u00fcssen. Dies bringt (zwar) eine finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit (im Gegensatz zum Ein-Familien-Ern\u00e4hrer-Modell) mit sich, aber gleichzeitig ist mit dem stattfindenden R\u00fcckbau des Sozialstaates den Frauen* erneut die privatisierte Haus- und<br \/>\nReproduktionsarbeit und damit die immer schon bestehende Doppelbelastung aufgeladen. Nach wie vor ist die heterosexuelle Familie und Ehe f\u00fcr den Staat ein wichtiges Unterfangen. Denn durch die rechtliche Verankerung sowie F\u00f6rderung, werden Menschen verpflichtet f\u00fcr einander da zu sein.<\/p>\n<p>Da das Privateigentum in einer kapitalistischen Gesellschaft ein wichtiges Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen ist, verbleiben immer die im Vorteil, die auch \u00f6konomisch im Vorteil sind. Diese zun\u00e4chst materielle Abh\u00e4ngigkeit ist jedoch auf mehreren Ebenen wirkungsm\u00e4chtig. Dort wo Frauen* M\u00e4nnern* materiell unterstellt sind, verbleibt ihr Handlungsspielraum im Beziehungs- und Familienleben auch immer eingeschr\u00e4nkt. Daher ist davon auszugehen, dass ein notwendiges wechselseitiges Verh\u00e4ltnis zwischen Patriarchat und Kapitalismus besteht.<\/p>\n<p>Unseres Erachtens nach hat sich aus der Verbindung zwischen Patriarchat und Kapitalismus die Ideologie des Heterosexismus entwickelt. Heterosexismus ist ein Denken, in dem nur zwei mit gegens\u00e4tzlichen Eigenschaften\u00a0ausgestattete Geschlechter, n\u00e4mlich der Mann und die Frau, existieren und deren sexuelles Begehren sich aufeinander bezieht. Sexualit\u00e4t wird anhand dieser heterosexistischen Denkweise bewertet, was f\u00fcr Menschen, die sich nicht innerhalb der herrschenden Vorstellungen von heterosexistischer Zweigeschlechtlichkeit verorten k\u00f6nnen oder wollen, immer ein\u00a0\u00bbAnders-sein\u00ab mit sich bringt.<\/p>\n<p>Eine materialistisch feministische Gesellschaftskritik sollte objektiv aufzeigen, dass diese Verh\u00e4ltnisse sch\u00e4dlich f\u00fcr alle sind, und dass eine Gesellschaft anzustreben ist, in der Bed\u00fcrfnisse der Ausgangspunkt der gesellschaftlichen Produktion und Reproduktion sind. Denn dies sind Bedingungen f\u00fcr ein gutes Leben f\u00fcr Alle.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Text als PDF download:<\/strong> <a href=\"https:\/\/basisgruppe-antifa.org\/wp\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/feminismus.pdf\">Hier<\/a>.<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Den Text als E-paper lesen:<\/strong><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" class=\"scribd_iframe_embed\" src=\"https:\/\/www.scribd.com\/embeds\/315198784\/content?start_page=1&#038;view_mode=scroll&#038;access_key=key-nmN7Fab5VKjqigrbdYrV&#038;show_recommendations=false\" data-auto-height=\"false\" data-aspect-ratio=\"0.7068965517241379\" scrolling=\"no\" id=\"doc_88121\" width=\"100%\" height=\"600\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ver\u00f6ffentlicht in mole &#8211; &#8230;ums Ganze! Magazin #3 Eine Perspektive auf materialistischen Feminismus. 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