{"id":2855,"date":"2014-11-26T18:26:42","date_gmt":"2014-11-26T17:26:42","guid":{"rendered":"http:\/\/basisgruppe-antifa.org\/wp\/?page_id=2855"},"modified":"2014-11-26T18:26:42","modified_gmt":"2014-11-26T17:26:42","slug":"fuer-einen-antikapitalistischen-politischen-antirassismus-2014","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/basisgruppe-antifa.org\/wp\/fuer-einen-antikapitalistischen-politischen-antirassismus-2014\/","title":{"rendered":"F\u00fcr einen antikapitalistischen, politischen Antirassismus! (2014)"},"content":{"rendered":"<p>Am 14. November 2014 fand auf dem Marktplatz in Bremen-Blumenthal eine antirassistische Kundgebung statt. Wir hielten folgenden Redebeitrag:<\/p>\n<p>Liebe Nachbarn, liebe Freund*innen und Freunde, liebe Genoss*innen<\/p>\n<p>Wieder einmal werden Menschen, die aus einem anderen Flecken dieser Welt kommen und es gewagt haben ihren Fu\u00df auf deutschen Boden zu setzen ausgegrenzt, bedroht und mit Hasstiraden \u00fcberzogen. Und wieder einmal ist der Ort des Geschehens der Bremer Norden. Dieser Form des Alltagsrassismus und Sozialchauvinismus, die als \u201eAngst vor Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\u201c daher kommt, m\u00fcssen wir entgegentreten. Und das leider nicht zum ersten Mal, wie an vielen anderen Orten auch: Deswegen stellt sich uns die Frage: wird uns auch in Zukunft j\u00e4hrlich das Murmeltier gr\u00fc\u00dfen, und wir dazu gezwungen sein, der immer gleichen Ausgrenzungsrhetorik mit den immer gleichen nachtr\u00e4glichen Rettungsversuchen hinterher zu laufen? Wir hoffen, hier gemeinsam einen langfristigeren Umgang damit zu entwickeln zu k\u00f6nnen.<br \/>\nF\u00fcr diese beschissene Lage, nicht nur hier in Blumenthal, gibt es einige Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Ein Grund ist, dass hier schon eine lange Zeit quer durch alle Parteien, im \u00f6ffentlichen Leben und den lokalen Vereinen Menschen mit Einstellungen, die sich gegen sogenannte Ausl\u00e4nder*innen richten, das Wort haben. Peter Nowack, der gerade f\u00fcr die Durchsetzung der Senatsbeschl\u00fcsse angefeindet wird, geh\u00f6rt eigentlich selbst zu den Scharfmachern. \u201eSein Blumenthal\u201c hat er seit 2009 nicht von den Folgen der sozialen Verw\u00fcstungen befreien k\u00f6nnen, die die Wirtschaftsumbr\u00fcche der letzten Jahrzehnte \u2013 beispielsweise das Ende der Vulkan-Werft \u2013 angerichtet haben. Die Schuld f\u00fcr sein Scheitern dagegen hat er schnell und h\u00e4ufig bei Ausl\u00e4nder*innen gefunden. Seine Ausf\u00e4lle gegen unsere Nachbarn in der Georeg-Albrecht-Stra\u00dfe, hier gleich um die Ecke, die haben wir nicht vergessen! Der Sportverein in Farge hat sich auch nie glaubw\u00fcrdig von seinen gewaltbereiten Nazi-Fans distanziert. Diese bekommen dagegen aktuell regen Zuspruch, wenn sie sich vermeintlich unpolitisch gegen die Gefl\u00fcchteten in der Rekumer Stra\u00dfe 12 stark machen. Noch vor der Alternative f\u00fcr Deutschland AfD wurden rechtspopulistische und sozialchauvinistische Positionen von den \u201cB\u00fcrgern in Wut\u201d an die Leute gebracht und organisiert. Damit blieben sie aber nicht allein, von CDU, FDP bis SPD fanden sie daf\u00fcr oftmals inhaltlich breite Zustimmung und Unterst\u00fctzung. Nun haben einige Anwohner*innen in Farge und Rekum \u00e4hnliche inhaltliche Schl\u00fcsse gezogen. Der Unterschied ist nur, dass die von ihnen gew\u00e4hlte B\u00fchne f\u00fcr ihre Hetze in erster Linie nicht das Parlament ist.<\/p>\n<p>Ein anderer Grund l\u00e4sst sich aus den \u00c4u\u00dferungen verstehen, die im Bezug auf die Unterbringung in der Rekumer Stra\u00dfe 12 gemacht wurden: Angeblich harmlos kommt die immer wieder aufs neue vorgetragene und fast schon panische Angst vor den \u201ckriminellen Gewaltt\u00e4tern\u201d daher. Ob die Jugendlichen in der Rekumer Stra\u00dfe 12 morgens die T\u00fcr mal zu lange offen lassen, in eine Kneipe gehen oder \u2013 Rekum in Not! \u2013 im benachbarten Kindergarten Laub haken, das Urteil ist immer gleich: Wer vom Staat als Straft\u00e4ter verurteilt wurde, ist nicht nur zeitlebens unf\u00e4hig zur Ver\u00e4nderung, er wird sich auch zur Bedrohung des eigenen, kleinen Besitzstandes gemacht. Deshalb wird st\u00e4ndig nach einem starken Staat gerufen und gedroht, die kapitalistische Eigentumsordnung notfalls selbst mit Gewalt durchzusetzen. Man m\u00f6chte eben sein Geld f\u00fcr sich behalten. F\u00fcr sich behalten hei\u00dft hier: f\u00fcr ein enges kleinb\u00fcrgerliches Familienmodell, in dem die M\u00e4nner sich mit den Ellenbogen in der Arbeitswelt durchsetzen und die Frauen bittesch\u00f6n f\u00fcr eine Entlastung im heimeligen Haushalt sorgen d\u00fcrfen. Kein Wunder, dass hier eigentlich \u00fcberkommene und reaktion\u00e4re Rollenvorstellungen Hand in Hand mit den rassistischen Einstellungen gehen. Denn alles soll an seinem rechten Platz sein. Und f\u00fcr Menschen aus anderen L\u00e4ndern bedeutet das, dass es f\u00fcr sie keinen gibt.<\/p>\n<p>Die rassistische und sozialchauvinistische Ausgrenzung ist also dadurch erkl\u00e4rbar, dass die B\u00fcrger*innen in Bremen-Nord f\u00fcr den sozialen Zusammenhang in dem sie eingegrenzt sind, Partei ergreifen: Den deutschen Staat und ihren Platz darin.<br \/>\nF\u00fcr den deutschen Standort buckeln sie sich den R\u00fccken krumm und fordern von allen Anderen ein ebensolches Verhalten. Wer das nicht will, soll erst gar nicht Teil \u201cder Deutschen\u201d werden. Denn solange sie bereit sind ihre allt\u00e4glichen Opfer zu erbringen, profitieren sie als deutsche Staatsb\u00fcrger*innen vom Erfolg des eigenen Standortes auf dem Weltmarkt immer noch deutlich mehr im Vergleich, als die meisten anderen Menschen auf dieser Welt.<br \/>\nDaf\u00fcr m\u00fcssen sie von vielen Bed\u00fcrfnissen absehen, die sie nur, wenn \u00fcberhaupt, gegen Lohn und viel Arbeit oder buckeln auf dem Amt einl\u00f6sen k\u00f6nnen. Anstatt sich aber nun zusammen zu tun f\u00fcr eine Welt, in der sie nicht durch das Privateigentum vom Genuss der gesellschaftlichen M\u00f6glichkeiten ausgeschlossen werden, suchen sie sich lieber S\u00fcndenb\u00f6cke f\u00fcr ihr eigenes Elend.<br \/>\nDie Ausgrenzung der Anderen ist so nur eine Seite derselben Medaille, die mit Gewalt erzwungene Integration in die nationale Gemeinschaft, die andere.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen deshalb davon ausgehen, dass wir unter diesen gesellschaftlichen Bedingungen immer wieder mit solchen rassistischen Einstellungen und Handlungen konfrontiert sein werden, da sie die Konsequenz der b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Eigentumsordnung sind.<br \/>\nUm hier, in Blumenthal, in Farge, in Rekum oder sonst wo nicht immer wieder aufs Neue auf die notwendigen, kurzfristigen Reaktionen zur\u00fcckgeworfen zu werden und jedes Mal von Neuem zu beginnen, braucht es hier vor Ort Menschen, die der Wortf\u00fchrerschaft solcher Leute dauerhaft etwas entgegensetzen k\u00f6nnen. Deswegen wollen wir hier Menschen unterst\u00fctzen, die sich sowohl gegen sozialchauvinistische und rassistische Ausgrenzung einsetzen m\u00f6chten als auch der Welt der nationalen Grenzen und der Unterordnung unter die Zw\u00e4nge kapitalistischen Gesellschaft eine praktische Absage erteilen wollen.<\/p>\n<p>Wir wissen aus eigener Erfahrung: Ein einzelner politischer Zusammenhang ist dazu oft nicht in der Lage. Wir rufen daher auf, in den kommenden Monaten in Bremen-Nord Veranstaltungen, Treffen und andere Plattformen zu schaffen, auf denen Leute aus Bremen-Nord die M\u00f6glichkeit bekommen, sich unter solchen inhaltlichen Vorzeichen kennenzulernen und selbst eine dauerhafte Gegenwehr gegen diese Sorte nationaler und rassistischer Gedanken und Taten zu organisieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen antikapitalistischen, politischen Antirassismus!<br \/>\nF\u00fcr eine Welt ohne Ausgrenzung und Ausbeutung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. 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