26. April, Goe­the­platz: So­li­da­risch gegen Rassismus!

April 15, 2014 Kommentare deaktiviert für 26. April, Goe­the­platz: So­li­da­risch gegen Rassismus!

Am 26. April startet um 15 Uhr ab Goetheplatz eine Demonstration mit dem Titel:

So­li­da­risch gegen Rassismus. Kein Frie­den mit der deutschen Nor­ma­li­tät.

Wir rufen zur Teilnahme an der Demonstration auf und dokumentieren in Folge solidarisch den Aufruf der Antifaschistischen Gruppe Bremen:

So­li­da­risch gegen Ras­sis­mus
Kein Frie­den mit der deut­schen Nor­ma­li­tät

Vor nun­mehr zwei­ein­halb Jah­ren flog der „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Un­ter­grund“ (NSU) auf – nach­dem zwei der Mit­glie­der ihr Ver­steck in Brand setz­ten und sich er­schos­sen. Das Ent­setz­ten über eine in der BRD agie­ren­de mi­li­tan­te Na­zi-​Grup­pe war zu­nächst groß.
Die Em­pö­rung über das ge­sam­te Aus­maß der ras­sis­ti­schen Mord­se­rie blieb je­doch ge­nau­so aus, wie der Mo­ment der Wut auf eine Ge­sell­schaft, in der Be­hör­den und die er­mit­teln­den Staats­die­ner *Innen¹ eine mör­de­ri­sche Or­ga­ni­sa­ti­on wie den NSU über Jahre hin­weg als nicht mög­lich be­trach­te­ten. Ras­sis­ti­sche Mo­ti­ve wur­den bei den Er­mitt­lun­gen von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen. Statt des­sen wurde sich bei der Tä­ter­su­che auf das Op­fer­um­feld kon­zen­triert und dabei auf­grund einer nicht deut­schen Her­kunft der Opfer, jedes mal ein an­geb­lich kri­mi­nel­ler Hin­ter­grund kon­stru­iert. Gab es in den ers­ten Mo­na­ten noch eine kon­ti­nu­ier­li­che Be­richt­er­stat­tung, in­ter­es­siert sich heute die Öf­fent­lich­keit nach über acht­zig Pro­zess­ta­gen gegen den NSU schein­bar wenig für den Stand der Er­mitt­lun­gen. Ge­nau­so wenig wurde und wird the­ma­ti­siert, dass es Ras­sis­mus ist, der die Mo­ti­ve für sol­che Taten lie­fert und es keine Grup­pe im Un­ter­grund geben kann, die nicht auf Hel­fer*Innen in der Ge­sell­schaft an­ge­wie­sen ist, die ihre Ideen mit tra­gen und mit die­sen ein­ver­stan­den sind.
Be­rich­te in den Me­di­en re­du­zie­ren den NSU mitt­ler­wei­le zu­neh­mend auf eine ein­zi­ge Per­son: Beate Zschä­pe. Dass sich eine Or­ga­ni­sa­ti­on wie der NSU auf weit über 150 mitt­ler­wei­le be­kann­ter Un­ter­stüt­zer*Innen ver­las­sen konn­te, dass die Mit­glie­der sich teils gar nicht im Un­ter­grund be­fan­den, son­dern ein schein­bar „nor­ma­les“ Leben füh­ren konn­ten, fin­det kaum noch Er­wäh­nung. Die Re­du­zie­rung des NSU auf Beate Zschä­pe ver­schlei­ert das Aus­maß der vor­han­de­nen Struk­tu­ren, auf die die Grup­pe zu­rück­grei­fen konn­te. Sie ver­schlei­ert den Blick auf die ge­sell­schaft­li­chen Zu­stän­de, die den NSU her­vor­ge­bracht haben, auf eine Ge­sell­schaft in der „ra­ci­al pro­filing“ und Ab­schie­bun­gen staat­li­che Pra­xis sind und in der ras­sis­ti­sche Vor­fäl­le eine er­schre­cken­de All­täg­lich­keit haben.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Die deut­sche Ge­sell­schaft bleibt eine Ge­sell­schaft, aus der eine ge­zielt mor­den­de Neo­na­zi­grup­pe nicht über­ra­schend oder aus dem Nichts auf­taucht. In den Nach­wen­de­jah­ren war Deutsch­land von einer mas­si­ven neo­na­zis­ti­schen Stra­ßen­mo­bi­li­sie­rung ge­prägt, des­sen Nach­wir­kun­gen sich in ei­ni­gen Ge­bie­ten bis heute zei­gen. In den Brand­an­schlä­gen und Po­gro­men von Ho­yers­wer­da, Ros­tock-​Lich­ten­ha­gen, Mann­heim, So­lin­gen, Mölln und wei­te­ren Städ­ten fand die ras­sis­ti­sche Hetze einen trau­ri­gen Hö­he­punkt. Die Neo­na­zis konn­ten sich dem Rück­halt und der ak­ti­ven Un­ter­stüt­zung gro­ßer Teile der deut­schen Be­völ­ke­rung si­cher sein. Diese un­ter­schwel­lig vor­han­de­nen bis offen zur Schau ge­stell­ten ras­sis­ti­schen Ein­stel­lun­gen ver­stärk­ten die Wahr­neh­mung der Neo­na­zis, in der sie sich als le­gi­ti­mer Voll­stre­cker eines Volks­wil­lens sehen.
Staat­li­che An­er­ken­nung fand der ras­sis­ti­sche Grund­kon­sens in der Ab­schaf­fung des Grund­rechts auf Asyl durch die CDU/CSU und FDP Re­gie­rung mit Un­ter­stüt­zung der SPD.
Par­al­lel zu dem “Auf­stand der An­stän­di­gen“, aus­ge­ru­fen nach dem Re­gie­rungs­wech­sel 2000, fin­gen die da­mals be­reits in den Un­ter­grund ab­ge­tauch­ten Mit­glie­der des NSU damit an, ge­zielt Men­schen zu er­mor­den. Dabei konn­te der NSU sich auf ein Un­ter­stüt­zer*In­nen­um­feld ver­las­sen, wel­ches sich aus Per­so­nen lo­ka­ler Ka­me­rad­schafts­sze­nen sowie aus dem „Blood and Ho­nour“- Netz­werk zu­sam­men­setz­te. Also genau dem po­li­ti­schen Spek­trum, wel­ches be­kann­ter­ma­ßen mit den Kon­zep­ten des „lea­der­less re­sis­tan­ce“² lieb­äu­gel­te bzw. diese offen pro­pa­gier­te. Gleich­zei­tig kam es zu einem wei­te­ren An­stieg mas­si­ver, oft töd­li­cher Ge­walt­ta­ten gegen Men­schen die nicht in das Welt­bild der Neo­na­zis pas­sen.
Dabei sind Brand­an­schlä­ge oder Morde, wie sie der NSU und auch so­ge­nann­te „Ein­zel­tä­ter“ ver­üb­ten, als mör­de­ri­scher Teil des ras­sis­ti­schen Zu­stan­des der deut­schen Ge­sell­schaft an­zu­se­hen.
Die deut­sche Ge­sell­schaft ist eine post­na­zis­ti­sche, wel­che samt Staat und ihren In­sti­tu­tio­nen aus einer Ge­sell­schaft her­vor­ging, die sich ganz den Ideen einer ras­si­schen Über­le­gen­heit und einem an­ti­se­mi­ti­schen Wahn ver­schrieb, der in der in­dus­tri­el­len Mas­sen­ver­nich­tung von Men­schen gip­fel­te.
Die Ge­schich­te der deut­schen Be­hör­den ist noch nicht an­nä­hernd auf­ge­ar­bei­tet. Nach­weis­lich sind In­sti­tu­tio­nen der Bun­des­re­pu­blik durch per­so­nel­le und recht­li­che Kon­ti­nui­tä­ten ge­prägt. Ein wirk­li­cher Bruch mit alten NS-​Funk­tio­nä­ren und dem deut­schen Na­tio­nal­so­zia­lis­mus fand nie statt. In den Auf­bau der Nach­rich­ten­diens­te, des Po­li­zei­ap­pa­ra­tes, der Jus­tiz, der Mi­nis­te­ri­en und Ämter der Bun­des­re­pu­blik wur­den Nazis ein­ge­bun­den und präg­ten somit die deut­sche Nach­kriegs­ge­sell­schaft.
Die deut­schen Ge­heim­diens­te sind an die­ser Stel­le eines der be­kann­tes­ten Bei­spie­le. Für den Ver­fas­sungs­schutz z.B. stan­den die Fein­de dabei immer links. Diese his­to­ri­sche Kon­ti­nui­tät von den Nach­kriegs­jah­ren über den kal­ten Krieg dau­ert bis heute an. Nicht nur durch den NSU-​Pro­zess tau­chen immer mehr An­zei­chen dafür auf, dass sich die per­so­nel­le Kon­ti­nui­tät der An­fangs­jah­re in eine ideo­lo­gi­sche Kon­ti­nui­tät in den Si­cher­heits­be­hör­den ver­wan­delt hat, die dazu führt, dass sich Ge­heim­diens­te und Po­li­zei immer wie­der auf dem rech­ten Auge blind zei­gen.

Fes­tung Eu­ro­pa hin­ter dem Jä­ger­zaun

Ras­sis­mus fin­den wir tag­täg­lich auf vie­len ver­schie­de­nen Ebe­nen. Ras­sis­mus äu­ßert sich dabei nicht nur in phy­si­scher Ge­walt gegen Men­schen. Ras­sis­tisch sind auch all­täg­li­che Hand­lun­gen in Form eines be­stimm­ten Sprach­ge­brauchs, also der Ver­wen­dung be­stimm­ter Be­grif­fe und Wör­ter oder auch Ver­hal­tens­wei­sen und die dis­kri­mi­nie­ren­de Ge­setz­ge­bung der Asyl­po­li­tik der BRD, sowie in den Me­di­en und im Bil­dungs­sys­tem prä­sen­te Ste­reo­ty­pe.
Das Flücht­lings­dra­ma von Lam­pe­du­sa im Ok­to­ber 2013, bei dem mehr als 350 Men­schen ums Leben kamen, scho­ckier­te. Dabei sind schreck­li­che Ge­scheh­nis­se wie die­ses kei­nes­wegs die Aus­nah­me – jeden Tag ster­ben Men­schen an den von der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schafts­agen­tur Fron­tex ab­ge­schot­te­ten Au­ßen­gren­zen Eu­ro­pas. Immer wie­der fin­den sich in den Me­di­en Mel­dun­gen dar­über, dass wie­der Men­schen er­tran­ken.

Wäh­rend an­ge­sichts der un­ge­zähl­ten Toten im Mit­tel­meer ver­meint­lich über­le­ge­ne mo­ra­li­sche Idea­le der „eu­ro­päi­schen Ver­ant­wor­tung“ ge­pre­digt wer­den und der Bun­des­prä­si­dent zu mehr Of­fen­heit und Mensch­lich­keit im Um­gang mit Flüch­ten­den mahnt, bleibt die men­schen­ver­ach­ten­de Pra­xis der Ab­wehr an den Au­ßen­gren­zen Eu­ro­pas wei­ter­hin be­ste­hen.
Ist es al­lein die Ver­wert­bar­keit nach ka­pi­ta­lis­ti­schen Maß­stab, die dar­über ent­schei­det ob ein Mensch in­ner­halb der eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft leben darf? Oder gilt tat­säch­lich eine Art Flücht­lings­hier­ar­chie, in der „rich­ti­ge“ Ge­flüch­te­te von an­geb­li­chen „Wirt­schafts­flücht­lin­gen“ un­ter­schie­den wer­den? Die Be­rich­te der Ge­flüch­te­ten, las­sen sich an letz­ter Stel­le auf le­dig­lich ein Wort her­un­ter bre­chen, mit dem sich der deut­sche Zu­stand be­schrei­ben lässt: Will­kür. Will­kür, die sich auf Recht und Ge­setz be­ru­fen kann – nur schein­bar ein Wi­der­spruch.
Vor­ran­gi­ges Ziel der deut­schen Flücht­lings­po­li­tik ist vor allem Ab­schre­ckung. Diese wird auch da­durch er­reicht, dass die Ge­flüch­te­ten mög­lichst lange in einem un­si­che­ren Sta­tus ge­hal­ten wer­den. Somit sind die oft­mals will­kür­lich er­schei­nen­den Ent­schei­dun­gen der deut­schen Aus­län­der­be­hör­den ein durch­aus ge­wünsch­tes Er­geb­nis der so­ge­nann­ten „Er­mes­sens­spiel­räu­me“ im Auf­ent­halts­recht.
Dem Pro­test von Ge­flüch­te­ten gegen die un­mensch­li­che Pra­xis der Aus­län­der­be­hör­den und einem Ein­tre­ten für ein uni­ver­sel­les Blei­be­recht für alle Men­schen, be­geg­net die deut­sche Po­li­tik mit men­schen­ver­ach­ten­der Igno­ranz und einer Kri­mi­na­li­sie­rung der Pro­tes­te – oft­mals ge­folgt von mas­si­ver Re­pres­si­on gegen die Ak­ti­vist*Innen.
So er­klärt auch der ehe­ma­li­ge Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Fried­rich in ge­wohnt ras­sis­ti­scher und po­pu­lis­ti­scher Ma­nier: „Wenn je­mand in ein an­de­res Land kommt um sich dort in die so­zia­le-​Hän­ge­mat­te zu legen, dann hört der Spaß auf und das ist lei­der eine nicht un­be­trächt­li­che Zahl, die hier­her kommt um ab­zu­sah­nen….“. Egal ob sol­che Aus­sa­gen aus po­li­ti­scher Be­rech­nung oder aus tie­fer ideo­lo­gi­scher Über­zeu­gung ge­tä­tigt wer­den, sie be­die­nen und ver­stär­ken immer vor­han­de­ne Vor­ur­tei­le und Res­sen­ti­ments.
Auch in Bre­men wer­den Ge­flüch­te­te oft­mals als Be­dro­hung emp­fun­den. Bür­ger*Innen, die mei­nen, dass ihre „Le­bens­qua­li­tät ge­min­dert“, oder die „ Angst haben, dass ihre Grund­stü­cke ent­wer­tet wür­den“ und die sich des­halb in Bür­ger­initia­ti­ven zu­sam­men­fin­den zei­gen, dass sie ihren durch­aus pri­vi­le­gier­ten Sta­tus er­kannt haben, die­sen un­an­ge­tas­tet wis­sen wol­len, und des­halb in so­zi­al-​chau­vi­nis­ti­scher Ma­nier nach unten tre­ten. Dass es auch durch­aus so­li­da­ri­sches Ver­hal­ten mit Ge­flüch­te­ten gab und gibt, soll nicht ver­schwie­gen wer­den, ge­nau­so so wenig wie die Tat­sa­che, dass es sich hier­bei lei­der um eine Min­der­hei­ten­po­si­ti­on han­delt.
Auch ver­steckt ras­sis­ti­sche Ste­reo­ty­pe wer­den immer wie­der be­dient, wenn z.B. be­haup­tet wird, dass die „Kul­tur“ der Ge­flüch­te­ten nicht zu „un­se­rer“ passe. Kul­tur ist damit nur ein Sprach­ver­steck für Ras­sis­men.
Diese men­schen­feind­li­che Be­trach­tungs­wei­se ist es, die Ab­schie­bun­gen ge­sell­schaft­lich le­gi­ti­miert, rechts­po­pu­lis­ti­schen Ent­wick­lun­gen Vor­schub leis­tet und die zu feh­len­der Em­pa­thie an­ge­sichts von Ka­ta­stro­phen, wie sie sich im Mit­tel­meer ab­spie­len, führt.
Feh­len­de Em­pa­thie und eine ras­sis­ti­sche Po­li­zei­pra­xis, die der Brech­mit­tel­ver­ga­be, waren es auch, die zum Tod von Laye Alama Condé im Jahr 2005 führ­ten. Trotz meh­re­rer Ver­fah­ren vor dem Bre­mer Lan­des­ge­richt wurde bis heute kein Täter für den Tod von Laye Alama Condé zur Re­chen­schaft ge­zo­gen. Dies zeigt in aller Deut­lich­keit wie wich­tig die Ar­beit un­ab­hän­gi­ger In­itia­ti­ven ist, die mit ihrer Tä­tig­keit Ver­ant­wort­li­che be­nen­nen und Druck auf die Be­hör­den aus­üben. Es zeigt wie wich­tig es ist, sich gegen die in der Ge­sell­schaft herr­schen­de Gleich­gül­tig­keit, ge­gen­über einem herr­schen­den ras­sis­ti­schen Nor­mal­zu­stand zu weh­ren.

Deut­sche Par­al­lel­ge­sell­schaft-​ Gar­ten­zwer­ge und Ha­ken­kreuz

Die­sen be­schis­se­nen deut­schen Zu­stän­den ent­spre­chend, gibt es auch in Bre­men und um zu eine durch­aus ak­ti­ve, or­ga­ni­sier­te Rech­te-​ bzw. Neo­na­zi-​Sze­ne. Par­tei­en wie „Bür­ger in Wut“ oder „die Rech­te“ oder auch die „AfD“ ver­su­chen mit ihrer Po­li­tik genau an die men­schen­feind­li­chen und aus­gren­zen­den Pa­ro­len an­zu­knüp­fen, wie sie z.B. in den Bei­rats­ver­samm­lun­gen in Bre­men Nord von an­we­sen­den Bür­ger*Innen und Ver­tre­tern*Innen ver­schie­de­ner Par­tei­en ge­äu­ßert wur­den. So ver­su­chen die Neo­na­zis sich als als wahre Ver­tre­te­rIn­nen und Schüt­ze­rIn­nen eines an­geb­li­chen „deut­schen An­lie­gens“ zu prä­sen­tie­ren.
Neben sol­chen Be­stre­bun­gen ver­su­chen Rechts­rock-​Bands wie in Bre­men u.a die Grup­pen „End­stu­fe“, „Bun­ker 16“ und „Ka­te­go­rie C“ einen rech­ten Li­fes­tyle zu eta­blie­ren. Mit einer Mi­schung aus Ge­walt, Männ­lich­keit und So­zi­al­dar­wi­nis­mus ver­su­chen Neo­na­zis, wie z.B. Hen­drik Os­ten­dorf, Ju­gend­li­che für ihre men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie zu be­geis­tern. Zu­sätz­lich hat sich auch in Bre­men eine Misch­sze­ne, be­ste­hend aus rech­ten Hoo­li­gans, Per­so­nen aus dem Ro­cker­mi­lieu und der Neo­na­zi­sze­ne ge­bil­det. Diese be­trei­ben, um ihre Ge­schäf­te nicht zu schä­di­gen, sel­ten offen neo­na­zis­ti­sche Po­li­tik, blei­ben aber den­noch einem rech­ten Li­fes­tyle ver­haf­tet. Um die­sen Li­fes­tyle aus­zu­le­ben, kön­nen sie in Bre­men auf be­ste­hen­de Struk­tu­ren und kon­kre­te Ört­lich­kei­ten zu­grei­fen. Aus die­sen Rück­zugs­räu­men, wie z.B. der Knei­pe „Bells“ an der Bre­mer Dis­comei­le, kommt es immer wie­der zu An­grif­fen auf Men­schen, die nicht in das Welt­bild der Neo­na­zis pas­sen.

Kon­se­quen­zen zie­hen

Der NSU hätte nie­mals über 10 Jahre im Ver­bor­ge­nen hand­lungs­fä­hig blei­ben kön­nen, wenn er nicht von den ge­sell­schaft­li­chen Zu­stän­den ge­tra­gen wor­den wäre. Das Des­in­ter­es­se der deut­schen Mehr­heits­ge­sell­schaft trägt dazu bei, dass sich kaum je­mand für den Mord an Laye Alama Condé in­ter­es­siert. Eben­so ist es in Deutsch­land mög­lich, dass Oury Jal­loh in einer Po­li­zei­zel­le ver­brennt, ohne dass auch nur ein ver­ant­wort­li­cher Po­li­zist dafür ju­ris­tisch be­langt wird.

Auch die Toten an den Au­ßen­gren­zen von Eu­ro­pa in­ter­es­sie­ren kaum län­ger als ein paar Tage.

Nicht nur im NSU Pro­zess, son­dern in un­ter­schied­lichs­ten Si­tua­tio­nen gilt die Aus­sa­ge „Ich bin doch kein Nazi oder Ras­sist“ als pro­blem­los glaub­wür­di­ges Be­kennt­nis und ent­las­tet die An­ge­spro­chen, jen­seits aller vor­han­de­nen Wi­der­sprü­chen in Bezug auf die wirk­lich vor­han­de­ne Welt­an­schau­ung – seien es ein­deu­tig rech­te Tat­toos oder Be­klei­dung, die Teil­nah­me an Neo­na­zi­de­mons­tra­tio­nen, nach­weis­ba­ren Über­grif­fen auf An­ders­den­ken­de oder ähn­li­ches.
Von al­lei­ne wird sich die­ser ras­sis­ti­sche Nor­mal­zu­stand nicht än­dern oder ab­schaf­fen. Dabei auf den Staat oder Par­tei­en zu ver­trau­en hal­ten wir für falsch. Es gilt die Ar­beit un­ab­hän­gi­ger an­ti­fa­schis­ti­scher und an­ti­ras­sis­ti­scher In­itia­ti­ven zu un­ter­stüt­zen.

Auch unter der Ge­schich­te des NSU darf es kei­nen Schlussstrich geben!

Dazu be­darf es So­li­da­ri­tät! So­li­da­ri­tät mit den Hin­ter­blie­be­nen der Opfer des NSU! So­li­da­ri­tät mit den Ge­flüch­te­ten, so­li­da­risch gegen den ras­sis­ti­schen Po­li­zei und Be­hör­den­ter­ror!

Feuer und Flam­me den Aus­län­der-​Be­hör­den!
Ab­schie­bun­gen ver­hin­dern!
Gegen die Un­ter­brin­gung von Men­schen in Sam­mel­un­ter­künf­ten!

Für eine Ge­sell­schaft jen­seits von Ras­sis­mus und Na­tio­na­lis­mus!
Für eine Ge­sell­schaft ohne Deutsch­land!

 

¹)Das Stern­chen meint die ge­schlech­ter­über­grei­fen­de An­spra­che und un­ter­schei­det nicht nur zwi­schen „Mann“ und „Frau“, son­dern be­zieht auch Queer, Trans, etc. als sich kei­ner he­te­ro­nor­ma­ti­ven Ka­te­go­rie zu­ord­nen wol­len­den Per­son mit ein. Bei den Be­griff „Nazis“ wurde dar­auf be­wusst ver­zich­tet, da ihre Ideo­lo­gie nur eine he­te­ro­nor­ma­ti­ve Ge­schlech­ter­kon­struk­ti­on zu­lässt.
²)„Lea­der­less re­sis­tan­ce“ be­deu­ted über­setzt „füh­rer­lo­ser Wi­der­stand“.
Die­ses Kon­zept des rech­ten Ter­rors be­zeich­net eine Stra­te­gie, die sich als Ge­gen­kon­zept zur nor­ma­ler­wei­se au­to­ri­tär und hier­ar­chisch auf­ge­bau­ten Na­zi-​Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­steht, wel­che durch Ver­bots­ver­fah­ren ein­ge­schränkt wird.

An­ti­fa­schis­ti­sche Grup­pe Bre­men März 2014