„Wir wollen eine Revolution!“

März 14, 2009 Kommentare deaktiviert für „Wir wollen eine Revolution!“
„Wir wollen eine Revolution!“

Folgender Redebeitrag wurde von uns auf der Demo gegen den Naziladen „Sportsfreund“ in Bremen am 14.3.09 gehalten:

Hallo. Ich spreche für die Basisgruppe Antifaschismus und halte einen Redebeitrag, in dem die gesellschaftlichen Ursachen von Faschismus angerissen werden sollen. Der Beitrag bezieht sich außerdem auf einen thematischen Flyer der BA, dessen Inhalt ich hier – aus Gründen der Verständlichkeit – nur gekürzt wiedergeben möchte.
Beginnen möchte ich die Rede mit einem Zitat von Max Horkheimer:

Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.

(M. Horkheimer, 1939)

Wir, die Basisgruppe Antifaschismus, sind ein aktiver Teil der „Kampagne Ladenschluss“ und wir halten es für richtig und wichtig, gegen den Laden „Sportsfreund“ aktiv zu sein. Wie ihr bereits wisst, ist der Laden eine Schnittstelle für aktive Nazis, er versorgt eine rechte Subkultur mit Nazi-Klamotten und spült darüber auch Geld in rechte Strukturen.
Die Schließung des Ladens ist unser Ziel. Sie kann für uns aber nur ein Etappenerfolg sein.
Unser Anspruch ist, das Thema „Faschismus“ grundlegend anzugehen.

Rassismus, Sexismus und Nationalismus sind alltägliche und tief in der Mitte dieser Gesellschaft verankerte Phänomene.
Im Faschismus finden sie ihre aggressive Zuspitzung. Genau dieser Normalzustand ist es, der offen faschistisches Bewusstsein und Verhalten immer wieder hervorbringt.

Der Kapitalismus ist hier und heute krisenhaft. Er bedroht immer mehr Menschen unmittelbar in ihrer materiellen Existenz. Angesichts des drohenden wirtschaftlichen und sozialen Abstiegs finden sich viele in einen permanenten Angst-Aggressionszustand versetzt.
Steigender Stress im Arbeitsalltag, sinkende Reallöhne, längere Wochen- und Lebensarbeitszeiten sind für alle Menschen verstärkt spürbar.
Die alten Versprechen von „Wohlstand und Glück für alle“ sind längst aufgebraucht.

Und linke Alternativen sind Mangelware. Viele Menschen wenden sich in ihrer prekären Situation nicht einer Kritik der gesellschaftlichen Ursachen zu. Sie lassen sich von Standortnationalismus bis hin zu konservativ-rechten und faschistoiden Parolen gegen Ausländer_innen, Erwerbslose u.a. Sündenböcke überzeugen.
Die Wut über ihre soziale Lage und damit auch ihr Protest- und Widerstandspotential verpufft dann am rechten Stammtisch oder bei der rechten „Protestwahl“.
Eine politische Radikalisierung der Gesellschaft geht eher nach rechts als nach links „Nach rechts“ – das heißt:
verstärkter Nationalismus, verstärkte Fremden- und Minderheitenfeindlichkeit und Phantasien vom starken Staat.

Das ist für uns keine Alternative. Wir wollen keine „Rolle-rückwärts“ – wir wollen die/eine Revolution!

Eine befreite Gesellschaft liegt nur jenseits von Staat und Nation, Kapital und Lohnarbeit. Weder sozialdemokratische Regulierungsmodelle, noch „real-sozialistische“ Verstaatlichungsvorstellungen bieten eine Perspektive. Sie stellen nur eine weitere Varianten der Elendsverwaltung dar.

Die einzigen Alternativen gegen die herrschenden Verhältnisse sind massenhafte Selbstorganisation und die Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Allein die bewusste Aneignung aller gesellschaftlichen Bereiche in gemeinsamer Selbstverwaltung durch die Menschen bietet die Chance, soziale Revolution und kulturelle (Selbst-)Emanzipation durchzusetzen.

Für uns ist die allgemeine Perspektive eine kommunistische Gesellschaft, in der – mit Marxens Worten gesprochen – gilt:
„Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“

Vor dem Hintergrund dieses revolutionären Ziels sehen wir auch unser antifaschistisches Engagement –
eben als einen „Revolutionären Antifaschismus“.

Ein bürgerlicher Antifaschismus beschränkt sich in seiner autoritären Variante auf erhöhte Repression gegen Nazis oder in seiner liberalen Spielart auf sozialpädagogische Projekte für diese. Beide können durch ihre innere Verstrickung in das gesellschaftliche System auch keinen anderen Standpunkt einnehmen. Sie sind dadurch gleichermaßen hilflos und tatsächlich mehr Teil des Gesamtproblems, denn Teil der Lösung.

Linksradikaler Antifaschismus verkürzt sich allzu oft in reine Recherche-Arbeit, „Kampf um die Straße“ u.a. Anti-Nazi-Aktivitäten. Nicht selten trotz viel weitergehender Ansprüche.
Auch leidet antifaschistische Praxis nicht selten an fehlender Kontinuität, der Zufälligkeit der Praxis und mangelnder Verbindlichkeit.
Ein revolutionärer Prozess aber kann kein zufälliger oder spontaner Akt sein, sondern setzt eine bewusste (Selbst-)Organisation voraus. Demokratisch-zentralistische und andere autoritäre Ansätze bieten dabei keine Perspektive, denn es müssen Gegenmachtstrukturen entwickelt werden, die beides in einem, Kampfform gegen das Alte, wie Keimform für das Neue sein können.

Für uns heißt das, Antifaschismus darf keine reine Teilbereichspolitik sein, sondern muss Teil allgemeiner antikapitalistischer Praxis und Organisierung sein.

Ernsthafter Antifaschismus muss mehr sein als Abwehrkampf.
Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Faschismus und bürgerlicher Gesellschaft.
Antifaschismus kann deshalb nur dann „Angriff“ werden, wenn er zur theoretischen und praktischen Kritik der bestehenden Verhältnisse durchschlägt.

Deshalb:
Nicht nur den Laden dicht machen,
sondern den gesamten Laden abschaffen!